by Mira – nachhaltig Leben und Genießen

10 Dinge die ich gelernt habe seit ich nachhaltig lebe

2015 habe ich begonnen mein Leben auf den Kopf zu stellen. Von der leidenschaftlichen Fleischesserin bin ich zur strengen Vegetarierin geworden. Vom krankhaften Shopaholic bin ich zur eisernen Second Hand und Fair Fashion Verfechterin geworden. Die logische Konsequenz war der Weg zum Veganismus, meinen Plastikkonsum einzuschränken und nur noch Naturkosmetik Produkte zu verwenden. Außerdem hinterfrage ich immer mehr meinen ökologischen Fußabdruck beim Reisen. Über die letzten Jahre habe ich viel ausprobiert. Von drei #Plastikfasten Challenges, über eine Vegan-Challenge (die mich vom Bleiben überzeugt hat), Declutter Challenges zu mehreren Müllsammelaktionen. Zusätzlich war ich bei verschiedenen Vorträgen, habe Dokumentationen geschaut, Bücher gelesen und habe durch Gespräche mit anderen mein Wissen vertiefen können.  So viel habe ich auch für mich persönlich gelernt, dass ich hier nun die 10 wichtigsten Errungenschaften festhalten möchte.

  1. Missionieren ist der falsche Ansatz

Natürlich wollte ich seit jeher Menschen in meiner Umgebung davon überzeugen, dass Veganismus, der Verzicht auf Plastik oder faire Mode das einzig Wahre sind! Anfangs war ich ganz schön streng und wollte oft Argumente von anderen nicht gelten lassen. Bei meinen Vorträgen habe ich regelrecht vom fleischlosem Leben gepredigt. Viele haben sich dadurch angegriffen gefühlt und gingen sofort in die Defensive, das führte meistens nicht zu dem Ergebnis welches ich erhofft hatte. Von solchen Extremen halte ich mittlerweile nicht mehr viel. Natürlich kläre ich weiterhin gerne auf und zeige Lösungen zu Problemen unserer Klimakrise auf. Das mache ich aber nur, wenn es dazu passt oder wenn nach meiner Expertise gefragt wird. Natürlich wäre es besser wenn jede*r von einen auf den anderen Tag einen CO2 neutralen Lebensstil führt. Realistischer ist es aber, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt und in kleinen Schritten sich dorthin bewegt

2. #ZeroWaste ist nicht unbedingt ein Zustand den ich erreichen möchte

Als ich das erste Mal von dem Zero Waste Movement gehört habe war ich ganz hin und weg vom müllfreien Leben. Seither bin ich Mitglied der Facebookgruppe Zero Waste Vienna, habe mir das Buch von Bea Johnson gekauft und habe mit meiner ersten #Plastikfasten Challenge begonnen. Ich kann mich noch so gut erinnern wie schwierig diese Fastenzeit damals für mich war und teilweise auch sehr frustrierend. In der Facebookgruppe bin ich dann auf eine informelle Umfrage gestoßen, wo es darum ging, wer denn eigentlich wirklich zu 100% Zero Waste lebt… Das Resultat war schockierend. Niemand hat von sich behauptet er lebe komplett frei von Müll, obwohl ich durch die Bewegung das Gefühl hatte, dass alle Zero Waste Mitglieder auch wie Bea Johnson oder Lauren Singer leben.  Versteht mich nicht falsch, ich habe irrsinnig viel durch das Movement gelernt und so viel dadurch in meinem Leben umgestellt. Aber ich habe eben auch gelernt zu akzeptieren, dass es nicht immer 100% müllfrei geht und sein muss. Zero Waste ist eine tolle Bewegung um sich den Müll bewusst zu machen, aber es ist kein Ziel auf das ich momentan hin arbeite. 

3. Müllsackerl braucht man nicht kaufen

Früher habe ich doch tatsächlich regelmäßig Müllsäcke gekauft, obwohl unsere „Sackerl-Lade“ jedes Mal am überquellen war. Als ich bewusst aufgehört habe diese zu kaufen stand ich zu erst vor einer großen Frage: Wie soll ich den Müll sammeln? Du glaubst gar nicht, wo ich mittlerweile überall ein Potenzial für Müllsäcke erkenne. Der Klassiker: das Sackerl fürs Toilettenpapier. Aber auch das Sackerl vom Sandwich-Toast, oder das Sackerl worin meine Kleidung geliefert wurde, oder das Geschneke-Sackerl oder das Sackerl vom Lieferservice. Versteh mich nicht falsch, solche Sackerl konsumiere ich sehr sehr selten, aber genauso selten brauche ich auch ein neues Müllsackerl. 

4. Ich verliere während meiner Menstruation viel weniger Blut als gedacht

Hätte ich weiterhin Tampons benutzt und meine Binde nach jedem Tropfen Blut gewechselt, wäre ich wohl nie drauf gekommen, dass ich eigentlich viel weniger blute als gedacht. Mit den Menstruations-Unterhosen habe ich ein besseres Gespür dafür bekommen. Außerdem habe ich gelernt, dass man nicht gleich alle Laken voll butet, nur weil man mal keinen Tampon in der Nacht trägt.

Schnürschuhe von Matt & Nat (vegan und fair produziert) // Hose und Haargummi aus der Vintage Fabrik (second hand) // Pullover, Ohrringe und Schal second hand von Freunden und Familie// Mantel von Kleiderkreisel (second hand) // Stirnband von der Mützenmafia (fair produziert)

5. Veganer Ei-Aufstrich schmeckt besser als echter

Das schönste Erlebnis während meiner Zeit als Veganerin: Der Moment als mein leidenschaftlich fleischessender Cousin, nach dem er zu Ostern unwissend meinen veganen Aufstrich gegessen hatte,  gesagt hat: „Das ist der beste Ei-Aufstrich, den ich je gegessen habe“.

6. Wie man aus einer Hose einen Rock näht

Ich bin zwar noch immer nicht im Besitz einer Nähmaschine, aber so oft wie ich in den letzten Jahren Kleidungsstücke umgenäht, oder geflickt habe, ist wirklich Rekord-verdächtig. Früher wäre ich niemals auf die Idee gekommen aus einer kaputten Jeans noch ein anderes Kleidungsstück anzufertigen. Ich hätte Shirts auch einfach in den Müll geschmissen, sobald sie mehr als ein Loch hatten. Mittlerweile weiß ich den Wert von Kleidern zu schätzen und nehme mir gerne die paar Minuten Zeit und hole Nadel und Faden hervor. 

7. Die oberen Betten im Liegewagen sind viel besser als die unteren

Obwohl ich von Flugreisen noch immer nicht ganz weggekommen bin, hat sich bei mir eine Renaissance des Nachtzuges entwickelt. Tatsächlich war ich als Teenager öfter mit dem Nachtzug unterwegs als heute. Mit Ende 20 möchte man aber auch auf einen gewissen Komfort nicht verzichten. Deshalb habe ich den Liegewagen, nach einer mäßig bequemen Reise im Sitzwagen, zu schätzen gelernt. Entgegen meiner Erwartungen sind aber nicht die unteren Betten im 6er Abteil die Besseren, denn dort ist man abhängig von den Schlafzeiten der Anderen. Die besten Betten sind ganz oben, da kann man sich entspannt hinlegen, wann man möchte. Außerdem schaut niemand bei dir ins Bett rein und du hast sogar ein eigenes Fach für dein Gepäck. 

8. Was eine Risikospirale ist

Einen Aha-Moment habe ich auf der Uni gehabt. Als Geschichte Studentin gab es in meinen Vorlesungen nicht oft Korrelationen mit dem Thema Umweltschutz. Also beschloss ich eine Vorlesung über Umweltgeschichte auf der IFF zu besuchen. Sehr interessant fand ich das Konzept der Risikospirale. Vereinfacht gesagt zeigt diese auf, dass jede nachhaltige Entwicklung auch ein Risiko beinhaltet und für die Lösung dieses Risikos braucht es wiederum eine nachhaltige Entwicklung, welche natürlich wieder ein Risiko bereit stellt. Durch dieses Konzept habe ich gelernt ökologische Entwicklungen kritischer zu betrachten und auch meine eigenen Handlungen zu hinterfragen. 

9. Küchenrolle wird überbewertet

In der WG meines Freundes habe ich mich früher immer beschwert, dass es nie Küchenrollen gab. Dort wurde weniger aus ökologischer Sicht darauf verzichtet, sondern vielmehr weil beim Einkaufen ständig drauf vergessen wurde. Seit einigen Jahren kaufe ich nun selber keine Küchenrolle mehr, um Ressourcen zu sparen. Immerhin habe ich einen Putzlappen in der Küche, genügend Geschirrtücher und Putzfetzen aus alten Shirts. Wenn ich mal wirklich Papier brauche, wie etwa um Öl nach dem Frittieren aufzufangen, dann hole ich mir ein paar Streifen Klopapier aus der Toilette. Because, why not?

10. Perfektionismus und Nachhaltigkeit funktioniert nicht

Nachhaltigkeit und Perfektionismus gehören nicht zusammen, fälschlicherweise wird genau das Gegenteil auf den sozialen Medien propagiert. Genauso wie ich erst lernen musste, dass Zero Waste mehr ein Weg als ein Ziel ist, genauso habe ich gelernt, dass man nicht perfekt nachhaltig leben kann. Ich habe nach dem perfekten grünen Instagram Bild gestrebt, dass zeigen sollte, wie nachhaltig mein Leben ist. Das war es vielleicht in dem Moment auch, aber das heißt nicht dass ich jeden Tag so lebe. An manchen Tagen nehme ich den Lift weil ich k.o. von der Arbeit bin und an manchen Tagen dreh ich die Heizung volle pulle auf, weil mir arschkalt ist. An manchen Tagen esse ich Käse, weil der Hunger zu groß und die vegane Auswahl zu klein ist. Ich bin davon überzeugt dass ich mit diesen Ausnahmen nicht die Einzige bin. 

Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Dingen die ich gelernt habe. All die Erfahrungen und Menschen die mich während der letzten Jahre herausgefordert und gelehrt haben bin ich unendlich dankbar, dass ich jetzt einen langsameren und nachhaltigeren Lebensstil führe als zuvor. Natürlich ist dieser Weg noch nicht zu Ende und ich werde mich immer weiterentwickeln und mehr lernen. Aber hier heißt es einfach einmal Danke zu sagen, dass ich diese Erkenntnis in mein Leben aufnehmen konnte. 

Was habt ihr gelernt, seid ihr nachhaltiger lebt? Oder was waren eure größten lehrreichen Herausforderungen bisher?

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1 comments so far.

Eine Antwort zu “10 Dinge die ich gelernt habe seit ich nachhaltig lebe”

  1. angelique sagt:

    Liebe Mira,
    vielen Dank für den ehrlichen und reellen Blick auf deinen Weg zum nachhaltigen Leben. In vielen Dingen finde ich mich wieder. Denn so einfach ist dieser Weg nicht. Mach weiter.
    alles liebe angelika

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