Brasilien, TRAVEL

Traveldiary: Wale beobachten in Arraial do Cabo

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Auslandssemester darf man sich vieles erlauben, unter anderem auch mal den Kurs sausen lassen, weil gerade so tolles Wetter ist und man viel lieber ein verlängertes Wochenende am Strand verbringen möchte. Ein weiterer Grund für diese nicht so edle Geste, war der Besuch von meinem Freund, der ja immerhin die 10 Stunden Flug nicht in Kauf genommen hatte, um mich beim Studieren zu beobachten. Wir brauchten also nur noch den richtigen Urlaubsort.

traveldiary-arraial-do-cabo-praia-do-fornoWenn man als Ausgangsort Rio hat und sich weder in ein Flugzeug setzen möchte, noch 10 Stunden im Bus sitzen will, ist man schnell mal recht eingeschränkt in der Strandurlaubswahl.  In Paraty war ich schon und Ilha Grande hatten wir für die darauffolgende Woche schon gebucht, also blieb irgendwie nur noch der Norden von Rio de Janeiro übrig. Wirklich bekannt war mir eigentlich nur das vier Stunden entfernte Búzios, welches als brasilianisches Nizza gehandelt wird, aber richtig gereizt hat es mich nie. Cabo Frio wäre da auch noch eine Option gewesen, aber jeder erklärte mir, dass der Ort gut für Partys sei und ganz ehrlich; Alex und ich sind keine Partymenschen. Alex war es auch der sich dann von dem kleinen Bericht über Arraial do Cabo im Lonely Planet verzaubern ließ. Angeblich gibt es dort nämlich Buckelwale und die soll man im Juli und August sogar beobachten können. Noch dazu soll in Arraial do Cabo Amerigo Vespucci 1502 an Land gegangen sein, somit ist der Ort auch historisch relevant und für mich besonders interessant. Also buchten wir uns ein Privatzimmer in einem Hostel, welches mit 35€ für zwei Personen noch dazu überraschend billig war.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERADen Bus konnten wir bequem in Niterói nehmen, dieser fährt aber auch stündlich von Rios‘ Busbahnhof weg. Die Fahrt dauert insgesamt drei Stunden, da wir aber auf der Autobahn für längere Zeit im Stau standen, kamen wir erst eine Stunde später in Arraial an. Der erste Eindruck schockiert ein wenig. Von gemütlichem Fischerdorf oder Strandort ist hier weit und breit nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil, bei der Ankunft erinnert mich die 30 000 Einwohner Stadt an duschschnittliche brasilianische Arbeiterstädte, die man sonst nur mit dem Bus für einen Zwischenstopp durchquert. Hier aussteigen? Wirklich? Sind wir tatsächlich schon an unserem Ziel angekommen? Ja.

traveldiary-arraial-do-cabo-casaNachdem wir orientierungslos erst mal im Kreis gelaufen sind, weil ich mich nicht traute mein Handy raus zu nehmen um Google Maps zu befragen, half uns ein Brasilianer weiter um uns den Weg zu weisen und in keinen zwei Minuten standen wir schon vor unserem Hostel. Im Hostel wurden wir nett empfangen und gleich weiter ins Hotel neben an verwiesen, weil sie angeblich im Hostel „Probleme mit dem Privatzimmer“ hatten, was auch immer das bedeuten sollte… Wir bekamen also ein Upgrade in ein Hotel, wo im Zimmer eine kleine Küche und eigenes Badezimmer inkludiert war. Das Frühstück war natürlich auch viel reichhaltiger als das eines Hostels. Wir waren also ganz schön begeistert. Die Dame an der Rezeption sprach nur Portugiesisch, war aber extrem bemüht uns den Aufenthalt so toll wie möglich zu machen und erklärte uns wie wir zu den besten Wanderwegen kamen.

traveldiary-arraial-do-cabo-praia-do-forno-viewDen restlichen Abend verbrachten wir noch an der Praia do Forno, zu dem ein kleiner Wanderweg direkt neben unserem Hotel führte. Schnell war die Großstadt vergessen, denn was sich hier vor uns auf tat, war paradiesisch. Türkis blaues Wasser, weißer Strand und der Hang rund herum voll mit Kakteen, so wie wir es eigentlich aus Mexiko kannten. Ganz Brasilian-like war allerdings die Verpflegung. Eine Bar nach der anderen reihte sich am Strand, zusätzlich gingen noch etliche Verkäufer an uns vorbei und versuchten Açaí, Maiskolben und Caipirinhas zu verkaufen. Das atlantische Wasser war untypisch warm, aber nicht umsonst wird der Strand als “Ofen” (forno) bezeichnet.

traveldiary-arraial-do-cabo-milho-verdeGastronomisch wurden wir leider sehr schnell enttäuscht, auf der kleinen Strandpromenade, reiht sich zwar ein Lokal neben dem anderen, aber davon verkauft kein einziges ein ordentliches vegetarisches Gericht. Sogar zum gemischten Salat bekommt man Schinken dazu. Wir entschieden uns für eine Pizza mit Champignons. Leider war das ein absoluter Reinfall, ich wusste zwar ,dass brasilianische Pizza keine Spezialität ist, aber die Champignons waren leider so sauer, dass man die Pizza kaum essen konnte. Die nächsten Tage ernährten wir uns von Brot,  Käse und Eis. Ich hatte mich nämlich recht schnell mit einer Eisdiele angefreundet. Diese war wiedermal im Buffetstil eingerichtet, also man konnte sich einfach selbst bedienen und in seinen Becher so viel Eis schaufeln, wie man glaubt essen zu können. Besonders köstlich dort war „geröstete Kokosnuss“ und „Makadamia“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAm nächsten Tag entschieden wir uns für eine längere Wanderung. Wir ließen uns zuerst in der Tourismusinformation am Strand von einem netten Brasilianer beraten, der erfrischenderweise auch ausgezeichnet Englisch sprach. Er gab uns einige Stadtpläne und schon ging es los. Mehr als eine Stunde waren wir auf Pontal do Atalaia unterwegs bevor wir „as Prainhas“ fanden. Kleine Strändchen, die sich nebeneinander an der großen Halbinsel reihen. Türkises Wasser, weißer Sand und irgendwie haben es auch hier ein paar Strandbars hin geschafft. Es war Donnerstag und trotzdem war der Strand fast komplett belegt von brasilianischen Touristen. Uns störte das nicht, wir fanden noch ein Plätzchen und hatten dafür ganz viel zu beobachten. Rechtzeitig mussten wir wieder unsere Heimreise antreten. Im Winter geht nämlich schon um 17:30 die Sonne an Brasiliens Küsten unter, wir mussten deshalb genügend Zeit einplanen um nicht in die Dunkelheit zu kommen. Da ich aber gerne noch die andere Seite der Halbinsel gesehen hätte, überredete ich Alex noch eine weitere halbe Stunde in der prallen Sonne zu spazieren. Der weite Weg lohnte sich, wir kamen zum Aussichtspunkt von Pontal do Atalaia, dem östlichsten Punkt von Arraial do Cabo, von hier aus konnte man laut Lonely Planet auch die vorbeiziehenden Wale beobachten und tatsächlich bekamen wir ein paar gigantische Schwanzflossen in der Ferne zu Gesicht.  Ein magischer Sonnenuntergang war dazu noch zu beobachten.

traveldiary-arraial-do-cabo-selfieAm Freitag gleich nach dem Frühstück ging es für uns wieder die 10 Minuten über den Hügel zum Praia do Forno. Alex hatte einen flauen Magen, wahrscheinlich wegen der Pizza vom Vorabend und deshalb wollten wir den Tag ruhig angehen. Wir mieteten uns für 20 RS zwei Stühle und einen Schirm für den ganzen Tag, schlürften Kokosnüsse und tranken das eine und das andere Bier. So kann man den Tag verbringen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAn unserem letzten ganzen Tag in Arraial do Cabo entschieden wir uns eine Bootstour zu machen, denn das ist dort irgendwie Pflicht und kostet auch nicht viel. Für 40 RS pro Person ist dir ein Platz auf einem Schiff versprochen. Die angegebenen Abfahrtszeiten stimmen allerdings nicht so ganz. Unser Boot wäre um 11 Uhr weggefahren, weil es aber unbedingt noch alle anderen Tickets verkaufen wollte, verließen wir erst eine Stunde später den Hafen. Die Sonneneinstrahlung, der wir da ausgesetzt waren, war eigentlich noch das geringste Problem, viel schlimmer war, dass eigentlich gar nicht genug Platz für alle Gäste war. Einige mussten auf dem zweistöckigen(!) Schiff sogar stehen. Aber den Brasilianern scheint das nichts weiter auszumachen. Sie nehmen es einfach hin. Die Schifffahrt an und für sich war leider eine Katastrophe. Die vielen Menschen, die schlechte und laute Musik und der Zustand des Boots waren nur ein paar der Gründe. Das einzige Highlight, war als wir raus aufs offene Meer fuhren und wir tatsächlich noch näher die vorbei schwimmenden Buckelwale beobachten konnten. Nachdem die Bootsmeute ein paarmal energisch die Seiten gewechselt hatten, weil sie unbedingt die Wale sehen wollten, war das Schwanken des Schiffes schon so brutal, dass ich einfach nur noch Heim wollte. Als wir kurz vor 18 Uhr wieder heil im Hafen ankamen, waren wir beide beruhigt und schworen uns so schnell nicht noch mal eine Bootstour zu machen… Aber leider hatten wir dieses Versprechen auch bald wieder gebrochen.

traveldiary-arraial-do-cabo-praia-grandeAm Sonntag ging es dann wieder zurück nach Niterói. Diesmal ohne viel Verkehr und super pünktlich. Arraial do Cabo war auf jeden Fall ein Ereignis. Die Strände machen alles wett, was die Stadt als Urlaubsort nicht erfüllt. Und manchmal ist es auch ganz lustig an einem Ort zu sein, wo nur Brasilianer Urlaub machen. Ein richtiger Geheimtipp also.  

 

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2 Comments

  • Reply Vicky August 29, 2016 at 7:49 pm

    ok – jetzt hab ich wirklich fernweh!!! genießt die Zeit! sieht wunderbar aus!

    ❥ Vicky | The Golden BunInstagram TGB-

    • Mira
      Reply Mira August 30, 2016 at 10:46 am

      Liebe Vicky,
      bin leider schon wieder zurück aus Brasilien, aber kann von dem Urlaub glaube ich noch sehr lange zehren. ;)
      Alles Liebe,
      Mira

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