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Travel Brazil: Ilha Grande – Strand, Dschungel und wilde Tiere

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Ilha Grande (deutsch: große Insel) ist schon lange kein Geheimtipp mehr für europäische Touristen die es nach Brasilien verschlägt. Im südlichen Teil vom Bundesstaat Rio de Janeiro liegt dieses kleine Paradies vor der „grünen Küste“ (Costa Verde) und ich war schon bei meiner letzten Brasilienreise hin und weg von diesem Stückchen Erde. Dieses Jahr musste ich also wieder hin und wollte vor allem mit meinem Freund dieses Erlebnis teilen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Anreise erweist sich beim ersten Blick als etwas schwierig, hat man sich allerdings ein wenig im Vorhinein mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auseinandergesetzt, funktioniert alles ganz easy. Das Busunternehmen Costa Verde fährt mehrmals täglich von Niteroí über Rio de Janeiro bis nach Parati. Tickets für den Bus kann man übrigens auch ganz easy über die Website des Busunternehmens kaufen, dafür braucht man auch kein CPF, so wie bei vielen anderen Firmen. Um auf die Ilha Grande zu kommen steigt man nach ca. zweieinhalb Stunden in der kleinen Hafenstadt Angra dos Reis aus und nimmt sich am besten ein Taxi zur Fähre. In der Nebensaison fährt die Fähre  nur einmal täglich auf die Insel und zwar um 15:30 Uhr. Das kann mit dem Bus also knapp werden, deshalb lieber ein Taxi nehmen! Wenn man mehr Zeit hat kann man auch zu Fuß den Weg beschreiten. Die Fähre benötigt eineinhalb Stunden bis nach Vila do Abrãao (größter Ort der Insel).

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Ilha Grande ist einmalig als Tourismusort. In der Kolonialzeit siedelten sich hier Piraten an, später im 19. Jahrhundert wurde eine Leprastation auf der Insel errichtet, die dazu diente Europäische Migranten vor ihrer Einreise nach Brasilien abzufangen. Wurde bei diesen Einreisenden Krankheiten festgestellt durften sie nicht weiterziehen und mussten auf der Insel ihre Genesung abwarten. Während der Militärdiktatur am Ende des 20. Jahrhunderts wurde auf der Insel eine riesige Strafanstalt gebaut, hier wurden Andersdenkende und Rebellen festgehalten und gefoltert. Die Geschichte der Insel verhinderte somit der Natur das Erbauen von großen Hotelketten. Die Tourismusbranche schreckte noch bis Ende der 90er Jahre davor zurück hier zu investieren, daher wurde auch kaum Urwald abgeholzt und die Tierwelt konnte sich weiterhin problemlos entfalten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAMittlerweile ist das Leprakrankenhaus eine Ruine, die sich die Natur langsam aber sicher zurück nimmt. Die Strafanstalt ist teilweise bewohnt, wirkt aber trotzdem wie eine Geisterstadt im Nirgendwo. In der Vila do Abraão findet man alles was ein Tourist braucht. Eine Vielzahl an Souvenirshops, vegetarische und vegane Restaurants (hier hat man sich wirklich den vielen Europäischen Besuchern angepasst), und Unmengen an Pousadas (kleine Hotels) reihen sich aneinander.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFür mich ist dieser Ort einfach das Paradies auf Erden. Obwohl ich touristische Orte eigentlich meide, hat diese Insel irgendwie ihren Charme nie verloren und birgt teilweise was richtig mystisches. Dies weckt richtig die Abenteurerin in mir. Es gibt zwar überfüllte Strände, aber man kann die auch total easy meiden und sucht sich einfach einen anderen dieser traumhaften Strände aus. Zusätzlich werden hier all meine Sehnsüchte miteinander erfüllt. Dschungel – Strände – Boote – Hügel. Es sind keine Autos auf der Insel zugelassen, deshalb muss man sich jeden Strandaufenthalt erst verdienen, in dem man mindestens eine Stunde durch den Dschungel wandert. Natürlich, man kann sich auch einfach ein Taxiboot nehmen, aber ich finde das Wandern gehört hier auf der Insel einfach dazu. Denn wie oft ist man schon im atlantischen Regenwald auf Entdeckungstour?

travel-ilha-grande-hotel travel-ilha-grande-makakeGeschlafen haben wir für sieben Tage in der Pousada Espaço Nativo. Das absolut beste und schönste Hotel das ich bisher in Brasilien besucht habe. Das junge Team war super freundlich und hat uns immer weiter geholfen, die Lage war perfekt, direkt im Zentrum des kleinen Ortes und das Frühstück so unglaublich vielseitig und ausgiebig, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Noch dazu war unser Zimmer total schön und wir hatten eine unglaubliche Aussicht auf die Hügel der Insel. Einmal habe ich sogar eine ganze Weißbüschelaffenbande vor unserer Haustüre entdeckt, die sich aber schnell verzogen haben, weil sie doch nicht ganz so zutraulich waren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnser Tag lief immer ungefähr gleich ab. Wir waren die ersten in unserem Hotel die im Frühstücksraum saßen, stärkten uns für den Tag und brachen dann auch frühzeitig für unsere Wanderung auf. Jeden Tag waren wir zwischen 10 und 15km unterwegs. Am ersten Tag bei den Dois Rios, eigentlich die unspektakulärste und einfachste (allerdings auch längste) Wanderung. Hier geht es drei Stunden an einem Forstweg entlang. Das Highlight ist aber auf jeden Fall der atemberaubende Strand dort und die Geisterstadt inklusive Gefängnis. 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAEine kleine gemütliche Wanderung geht an den Ruinen des Krankenhauses vorbei und führt zum „schwarzen Strand“ (Praia Preta). Hier kann man meistens auch einige Weißbüschelaffen beobachten, die sich gerne füttern lassen (was allerdings strengstens verboten ist). Der Weg führt auch bei einem kleinen Wasserfall vorbei. Möchte man noch einen noch imposanteren sehen, sollte man sich überlegen ob man nicht noch eine Stunde dran hängen möchte. Nach einer Stunde erreicht man schließlich den Cachoira da Feiticeira.

travel-ilha-grande-drikOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch der Wanderweg zur Praia Lopes Mendes, der angeblich schönsten Strand in Brasilien, sollte man gemacht haben. Hier kommt man an einigen wunderschönen Stränden vorbei, kann immer wieder am Weg in eine Bar einkehren und ist schließlich an einem ewig langen Sandstrand, der vor allem bei Surfern sehr beliebt ist. Ich finde hingegen, dass die Insel viel mehr zu bieten hat als nur den einen Strand. Für 20 Reais kann man sich am Nachbarstrand ein Taxi zurück in die Stadt nehmen. Wir haben leider den Fehler gemacht und haben für 15 Reais in ein größeres Schiff investiert, dass allerdings leider in nicht ganz so gutem Zustand war. Wir wären fast gekentert und ich habe mir danach geschworen, nie nie wieder auf ein Boot zu steigen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAtravel-ilha-grande-acaiOLYMPUS DIGITAL CAMERAMein absoluter Lieblingsstrand ist allerdings der Praia da Feiticeira. Diesen erreicht man wenn man den gleichnamigen Wasserfall ansteuert bzw. sich immer Richtung Saco do Céu hält. Kurz vor dem Wasserfall gibt es eine Abzweigung Richtung „Praia“, bzw „Boattaxi“. Da ist man dann noch mal 20 min bergab unterwegs und schon hat man diesen winzigen Strand erreicht, inklusive verschiedenster bunter Fische im Wasser. Am Strand kann man sich natürlich wie auch überall sonst wo in Brasilien Snacks und Drinks gönnen. Auch Schnorchelausrüstung kann man sich ausleihen. Mit dem Boottaxi kommt man von hier auch in andere Buchten des Saco do Céu und ganz schnell wieder zurück nach Abraão.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas tolle an  dieser Insel ist; dir wird einfach nie langweilig. Jeden Tag kannst du neu zwischen anspruchsvoller oder einfacher Wanderung auswählen. Wenn du magst kannst du auch einfach den Strand im Ort nutzen oder eine Bootstour machen. Man kann sich Räder ausleihen oder auch Drei-Tages-Treckings durch den Urwald buchen. Egal ob Schnorcheln, Tauchen oder Surfen, es ist einfach für jeden etwas dabei.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAMein absolutes Highlight auf der Insel war allerdings ein Spaziergang am späten Nachmittag durch den Dschungel an einem der meist frequentiertesten Pfade zwischen der Praia Pouso und der Vila do Abraão. Da das Wetter an diesem Tag aber eher zu wünschen übrig ließ, waren wir fast die einzigen Wanderer auf dieser Strecke durch den Wald. Die Sonne geht im Winter schon um 17:30 unter und wir versuchten noch im Sonnenlicht nach Hause zu kommen. Zu allererst entdeckten wir eine Gruppe von Eichkätzchen, bei denen wir ganz schön verwundert waren, dass es die hier überhaupt gibt. Und ein paar Meter weiter erstarrte ich vor Schreck vor einem ein Meter großen schwarzen Tier, dass sich am Baumstamm festkrallte und mich anstarrte. Es war genau auf meiner Augenhöhe, ich machte panisch ein paar Schritte zurück. Zuerst dachte ich naiv an einen Jaguar (eher einen Babyjaguar), doch dann bemerkte ich dass es sich um einen Brüllaffen handelte. Ich war mir zwar um ihre Existenz schon seit dem letzten Besuch bewusst, denn immerhin hört man konstant ihr Gebrüll, trotzdem hatte ich bis dato nie einen gesehen und wunderte mich immer wie sie wohl aussehen würden. Als ich Alex leise auf meine Entdeckung aufmerksam machte erspähte ich über uns eine ganze Brüllaffenfamilie. Sie hatten sogar ein Baby dabei, das sich um den Bauch der Mutter klammerte. Der Affe vor meinen Augen machte sich langsam aus dem Staub, er fand das Treffen wohl genauso unheimlich wie ich. Und als wir ein paar Schritte weiter machten entdeckten wir das nächste mysteriöse Tier. Es war fast so groß wie die Affen zuvor, allerdings braun und viel dicker. Es bewegte sich nur langsam und gemächlich den Baum hinauf. Wir konnten unseren Augen gar nicht trauen, dass wir so viele brasilianische Dschungeltiere auf einen Haufen erblicken durften. Nachdem wir am Abend Google befragt hatten, stellte sich heraus, dass das zweite Tier ein junges Stacheltier war. Nach diesem Erlebnis gingen wir nur noch extrem behutsam und langsam durch die Wälder und unsere Blicke blieben immer wieder in den hohen Bäumen hängen, in der Hoffung wieder eines dieser Tiere erblicken zu dürfen. Aber außer den Weißbüschelaffen kam uns keines mehr unter.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWen es irgendwann einmal nach Brasilien verschlägt, dem möchte ich die Ilha Grande wirklich ans Herz legen. Nirgendwo sonst sieht man so viel natürliche Vielfalt auf einmal. Ich bin überzeugt davon, dass ich hier hin wieder zurück komme!

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2 Comments

  • Reply *thea Oktober 14, 2016 at 3:08 pm

    Vor allem die Bilder mit dem beeindruckenden Pflanzen haben mir gefallen – die Strände sehen aber auch toll aus. Die Insel hört sich wirklich wie ein Tropentraum an. In Brasilien war ich noch nicht, aber da bekommt mna richtig Lust! lg und schönes We! *thea

    • Mira
      Reply Mira Oktober 17, 2016 at 9:28 am

      Liebe Thea,
      Tropentraum beschreibt die Ilha Grande schon ganz gut! :)
      Brasilien ist auf jeden Fall eine Reise wert! Die Pflanzen haben mich auch total begeistert, so etwas sieht man einfach nicht bei uns in Europa! Vielleicht wird es ja mal was mit einem Urlaub in Brasilien! ;)
      Alles Liebe,
      Mira

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