by Mira – nachhaltig Leben und Genießen

4-Tages-Wanderung in Tirol: Die Sellrainer Hüttenrunde

Nur eine Stunde mit dem Bus von Innsbruck entfernt befindet sich das Sellrain Tal. Im Winter ein begehrter Ort für Skitouren, im Sommer ein alpines Paradies für Wanderer. Erfahrene Wanderer können hier mal länger, mal kürzer von Hütte zu Hütte wandern und über mehrere Tage die Mond-ähnliche, abgeschiedene Landschaft genießen.

Für mich gab es dieses Jahr eine Prämiere. Noch nie zuvor war ich in Tirol wandern. Für mich war das immer eine andere Liga. Und als mich meine Freundin, die Bergführerin Sarah, Ende August fragte, ob ich Lust und Zeit habe, eine vier tägige Tour durch das Sellrain Tal zu machen, war meine Antwort sofort klar. Schlussendlich waren wir eine Gruppe aus vier Bergenthusiasten. Wir buchten all unsere Hütten in vorhinein und trafen uns Montags an einem überaus heißen September Tag in Kühtai, wo unsere Wanderung starten sollte. 

Anreise mit den Öffis

Von Wien ist die Anreise relativ unkompliziert. Wir nahmen den Direktzug nach Innsbruck um 6.30 Uhr und sollten dann einen Anschluss mit einem Bus um 11 Uhr direkt nach Kühtai haben. Leider hatte unser Zug Verspätung, so dass wir unseren Anschluss (trotz Sprint) verpassten. Weil die Busse nur unregelmäßig verkehren,  kamen wir dann statt um 12 Uhr erst um 14 Uhr in Kühtai an. Bei längeren Anreisen, wie etwa aus Wien würde ich eine Übernachtung vor Ort z.B. in der Dortmunderhütte, empfehlen, bevor die Wanderung los geht. Ist wesentlich stressfreier, als wir das handgehabt haben. 

Achtung: die Busse der VVT fahren nur in den Sommermonaten in die Region (und als Skibus im Winter), unbedingt vorher den Fahrplan überprüfen.

Tag 1 – Von Kühtai bis auf die Schweinfurter Hütte

9km – 4 Stunden – 800 HM (rauf und runter) – Anspruch: mittel

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Wegen unserer Verspätung konnten wir an unserem ersten Tag leider nicht so gemütlich wandern. Wir hatten knapp 5 Stunden Zeit bis zum Sonnenuntergang und die Tour war mit 4 Stunden angeschrieben. Wir kamen also in Kühtai an, versorgten uns noch mit reichlich Sonnencreme, füllten unsere Trinkflaschen in dem kleinen Laden an der Bushaltestelle auf und marschierten schnellen Schrittes los.

Von Kühtai (1949) geht es hinauf zum Finstertaler Stausee. Statt dort wie geplant entlang zu gehen, mussten wir wegen Bauarbeiten noch eine kleinen Umweg machen, schließlich aber ging es stetig hinauf an einem Bach entlang über Geröll zur Finstertaler Scharte (2780) . 

Oben an der Scharte angekommen, stand die Sonne schon tief. Den ganzen Weg entlang waren wir, bis auf drei Niederländer (die sich verlaufen hatten), alleine. Der ganze Berg nur für uns, ein Traum. Das Wetter war wunderbar… Keine Wolke am Himmel und angenehm warm, aber nicht zu heiß. Die Landschaft war surreal, aber es war kaum Zeit zu genießen, denn die Abenddämmerung lag uns im Nacken. Also ging es relativ flott die 800 Höhenmeter hinunter zur Schweinfurter Hütte (2028). 

Angekommen in der Schweinfurter Hütte sackten wir erschöpft an unserem zugewiesenen Tisch zusammen. Die Hütte war (trotz Corona) gesteckt voll. Wir bekamen Käsespätzle, die wir schon vor Beginn der Wanderung vorbestellt hatten. Essen wird im Normalfall zwischen 18 und 19 Uhr serviert, wenn man zu spät kommt, sollte man vorher anrufen und bekannt geben, welche Mahlzeit man möchte. Wir entschieden uns alle immer für die einzige vegetarische Speise. Geschlafen haben wir im 12 Personen Bettenlager. 

Tag 2 – Von der Schweinfurter Hütte zur Winnebachseehütte

10,5 km – 4,5 Stunden – 900 HM hinauf /550 HM hinunter – Anspruch: mittel

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Der zweite Tag war um einiges gemütlicher als der erste. Nach einem ausgiebigen Käsebrot Frühstück starteten wir um 9 Uhr unsere Wanderung. Zu erst noch im Schatten der großen Gipfel rund um uns herum, kamen wir spätestens nach einer Stunde in die kräftige Sonne. Also wieder: eincremen, Hose abzippen, Pullover ausziehen.

Wir folgten anfangs dem Tal an einem Fluss entlang Richtung Süden. Der Weg führt dann wieder stetig bergauf zum Zwieselbachjoch (2840) . Vor allem hier ist Trittsicherheit gefragt, nicht alle Steine sind fest im Boden verankert.

Wie auch am Vortag waren wir bei der Wanderung praktisch alleine. Ein paar Mal kamen uns Wanderer entgegen, aber die selbe Richtung wie wir schien niemand zu nehmen. Auch das Wetter war wieder perfekt. Am Weg konnten wir Schafe und Murmeltiere in der Ferne beobachten. 

Der Abstieg gestaltete sich sehr steil und war nur mit besonderer Vorsicht zu meistern. Die Winnebachseehütte rückte immer näher und schließlich kamen wir am frühen Nachmittag am Winnebachsee (2355) an. Der See eignet sich perfekt, um mit den Füßen in den eiskalten Bergsee zu einzutauchen und schließlich im Gras davor ein kleines Nickerchen in der Mittagssonne zu genießen. 

Später setzten wir uns vor der Hütte auf die Terrasse. Man muss hier wirklich dazu sagen, dass die Winnebachseehütte eine der schönsten Hütten ist, die ich je gesehen habe. Nicht nur die Location, direkt am Wasserfall und an dem See, sondern auch die Hütte an sich. Die Zimmer sind einfach, aber modern saniert. Das Speisezimmer mit der Glasfront bietet direkten Blick auf den Wasserfall. Insgesamt ist die Hütte nicht so groß wie andere und bietet daher nur  Platz für wenige Wanderer, was eine angenehme Atmosphäre schafft. Zum Abendessen bekamen wir hier eine große Portion Pasta Arrabiata.

Tag 3 – Von der Winnebachseehütte bis zur Pforzheimerhütte

13 km – 7 Stunden – 1200 HM (rauf und runter) – Anspruch: schwierig

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Wir starteten wieder früh, denn der heutige Tag sollte länger werden, als die davor. Auch um einiges anstrengender. Daher wollten wir mehr Pausen einplanen und langsamer gehen. 

Unsere erste Etappe war das Winnebachjoch (2763). Ich quälte mich in den frühen Morgenstunden steil durch das Geröll hinauf. Aber oben angekommen, war alles Leid und alles Fluchen verflogen. Kurze versicherte Stellen machten uns den Abstieg einfach und weiter ging es Richtung Westfalenhaus. Wir nahmen aber eine Abkürzung über die Münsterhöhe (2471), wo wir eine kleine Pause einlegten. Schon von hier aus konnten wir die Zischgenscharte (2893) erkennen und ich glaubte meinen Augen nicht. „Hier sollen wir rauf? Wie soll das überhaupt möglich sein?“ Es sah enorm steil aus.

In engen Serpentinen führt der Weg durch Geröll nach oben. Auch hier ist besondere Vorsicht geboten, da einige Steine nicht komplett fest sind. Immer wieder müssen auch die Hände beim hoch gehen mithelfen. 

Bergab kam dann der versicherte Teil. Die Etappe ist mit einem kurzen Klettersteig versehen. Es ging extrem steil bergab, sodass man unmöglich ohne die Versicherungen absteigen konnte. Der Boden war allerdings schon extrem abgetragen, und die Versicherung war für kleine Personen wie mich kaum zu erreichen. Ich war froh, dass ich im Sommer noch einen Klettersteigkurs gemacht hatte, so hatte ich viel mehr Sicherheit, konnte gegen meine Höhenangst ankämpfen und wusste gut wie ich bergab gehen konnte.

Erschöpft unten angekommen, konnten wir die Pforzheimerhütte schon in der Ferne sichten. Es ging noch ein wenig bergab, dann wieder bergauf und schließlich erreichten wir die Pforzheimerhütte (2289) gegen 16 Uhr.

Am Abend gab es wieder Käsespätzle. Wir hatten diesmal wieder ein Zimmer für uns alleine. Es gab sogar Strom um unsere Handys aufladen zu können.

Tag 4 – Von der Pforzheimerhütte bis nach Sankt Sigmund 

8 km – 2,5 Stunden – 790 HM hinunter – Anspruch: leicht

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Der letzte Tag war angebrochen und siehe da: nach drei Tagen traumhaftem Wetter, regnete es das erste Mal. Wir gingen im Nieselregen die Forststraße entlang bergab. Der Abstieg zurück ins Tal war unspektakulär. Vorbei an Almen und Wälder folgten wir der breiten Straße, wo auch immer wieder LKWs oder Traktoren uns entgegen kamen. Zurück in der Zivilisation also. In Sankt Sigmund (1515) gibt es dann wieder Anschluss an den Linienbus, mit dem man zurück nach Innsbruck kommt. 

Anforderungen, Ausrüstung und Wetter

Auf den verschiedenen Websiten wird die Sellrainer Hüttenrunde immer als mittel bis anspruchsvoll gekennzeichnet. An allen Tagen war zumindest immer eine Stelle dabei, die sehr anspruchsvoll war. Auch die Höhe darf nicht unterschätzt werden, immerhin befindet man sich hier immer zwischen 2000 und 3000 Höhenmeter.

Eine gute Ausrüstung ist das A und O auf so einer Tour. Bergschuhe, Kleidung für alle Wetterlagen, Sonnencreme, Jause, Wasser, Notfalls Kit und auch eine Wanderkarte sind unbedingt mitzuführen. Eine tolle Packliste findet ihr auf der Website der Sellrainer Hüttenrunde

Unbedingt ausreichend Wasser mitführen. Auf den Wegen gab es keine Brunnen, wo wir auffüllen konnten. Nur auf den Hütten war dies möglich. Welches Wasser du während der Wanderung trinken kannst, kannst du hier nachlesen

Das Wetter kann sich am Berg sehr schnell ändern, daher sollte man immer ein gutes Auge auf die Wolken und auf den Wetterbericht haben. Das Wetter sollte auf jeden Fall vor der Tour genau gecheckt werden. Auf den Hütten kann man bei den Hüttenwirten nachfragen. Es gibt während der Wanderung kein Netz, und daher auch kein Wetter Update auf deinem Handy.

Discalimer

Diese Wanderbeschreibung soll als Inspiration dienen. Es ist keine Wegbeschreibung! Detaillierte Wegbeschreibungen findest du auf den Webseiten von Bergfex, Alpenverein Aktiv oder Komoot

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2 comments so far.

2 Antworten zu “4-Tages-Wanderung in Tirol: Die Sellrainer Hüttenrunde”

  1. Waltraud sagt:

    Ich bin die Tour Auch schon mal gegangen. Bei euch wirkt das allerdings viel entspannter als bei mir damals. Vorallem die Zischgelesscharte habe ich sehr furchteinflößend in Erinnerung, aber da ihr mit Bergführer unterwegs gewesen seid hattet ihr wahrscheinlich mehr Know How am Weg.
    TOLL! ICH LIIIIIIEBE KÄSESPATZLE!

    • Mira sagt:

      Liebe Waltraud,
      das Know How verdanken wir einzig und alleine dir!
      Der besten Bergführerin überhaupt.
      Ich koch dir das nächste mal Käsespätzle mit ganz viel Schlagobers.
      Bussi

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