by Mira – nachhaltig Leben und Genießen

Konsum und Klima – Warum wir mit Wirtschaftswachstum nichts besser machen

Immer größer, immer mehr und immer weiter. In einer Zeit der Pandemie ist das größte Bedenken unserer Politiker*innen, die Wirtschaft anzukurbeln. Also sperren wir auf. Kurz vor Weihnachten muss schließlich wieder ordentlich geshoppt werden, damit es allen gut geht. Irgendwie seltsam, dass Geld für sinnlose Dinge ausgeben unsere Probleme lösen soll. 

Wirtschaftswachstum ist ja nichts schlechtes, oder?

Es stimmt natürlich, je mehr Geld wir ausgeben, desto besser steht unser Staat finanziell da und kann sich dementsprechend um uns kümmern, immerhin werden durch unsere Einkäufe viele Steuern generiert. Außerdem kommen so Produzent*innen und Unternehmer*innen zu mehr Geld, welches sie  wieder ins System fließen lassen können, wo der Kreislauf dann wieder von vorne beginnt. Zusätzlich können sie ihr Unternehmen vergrößern und noch mehr Mitarbeiter*innen einstellen, was die Arbeitslosenquote sinken lässt. Kapitalismus ist also auf ewiges Wachstum und Gewinn aus. So funktioniert unser Wirtschaftssystem seit der Industrialisierung, zumindest vereinfacht gesagt.  Das heißt wenn wir alle fleißig shoppen gehen, sichern wir damit auch Arbeitsplätze und unterstützen dabei unser Sozialsystem. Eigentlich eine gute Sache. Aber geht das nicht auch anders? Ohne dass Menschen weltweit dafür ausgebeutet werden, ohne dass der Planet drunter leidet und ohne das die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer?

Wir sprechen immer davon, dass der Beginn der Industrialisierung der Beginn des Anthropozän ist. Also der Punkt in unserer Menschheitsgeschichte, wo wir direkten Einfluss aufs Klima nehmen. Aber eigentlich geht das Hand in Hand mit dem Kapitalismus. Denn das ständige Wachstum nimmt Einfluss darauf, wie viel wir produzieren, wie viel wir bauen und schließlich wieviel wir kaufen. Es führt zu einer Überproduktion und zur Ausbeutung unseres Planeten. Dass das Wirtschaftswachstum nach dem zweiten Weltkrieg unsere Lebensqualität sichtlich gesteigert habe, möchte ich gar nicht bestreiten. Aber nur weil etwas einmal gut funktioniert hat, heißt das nicht dass wir für immer daran festhalten müssen.

Das System ist kaputt

Ich zweifle immer mehr an unserem System Kapitalismus und möchte insgeheim kein Teil mehr davon sein. Denn auch wenn der Handelssektor einer der größte Arbeitsgeber Österreichs ist, heißt das doch auch, dass wir viel mehr zu verkaufen haben, als wir eigentlich benötigen. Wie kann es sein, dass ein Geschäft sich ans nächste reiht und jedes davon hat seine Regal bis obenhin voll? Tonnenweise neue Kleidung, Spielsachen aus Plastik, Fernseher, Smartphones, Modeschmuck, Sportkleidung, Küchenmaschinen, Möbel, Deko Material. Wer soll das alles kaufen? Für jedes Produkt gibt es ein eigenes Geschäft und für nur ein paar Euro kann man sich komplett neu einkleiden, oder seine Wohnung zur Jahreszeit passend dekorieren. 

Abgesehen davon, dass mit diesen Produkten eine Menge Müll verursacht wird, werden hier einfach Unmengen an Ressourcen verbraucht. Seltene Erden werden in Elektronik verbaut, die so gut wie nicht recycelt werden können. Erdöl wird für die Produktion von Plastik heran gezogen, ganze Wälder werden abgeholzt, um den neuesten Möbeltrend auf den Markt zu bringen.  Fossile Brennstoffe werden für die Produktion, den Transport und für die Entsorgung benötigt. Oder denken wir an das giftige Abwasser, dass von der Textilindustrie in die Flüsse auf der ganzen Welt entsorgt wird. Alles nur weil wir durch unser Einkaufverhalten immer nach mehr und noch mehr verlangen. Ja, wir schaffen Arbeitsplätze und kurbeln die Wirtschaft an, aber auf welche Kosten? Wir zerstören damit unseren Lebensraum. Ist das wirklich zielführend? 

Einkaufen macht uns happy

Zumindest für einen Bruchteil einer Sekunde freuen wir uns über unser neu gewonnenes Produkt. Auch unter dem Weihnachtsbaum können wir andere Leute glücklich machen, wenn wir das neue IPhone oder eine Playstation verschenken. In dem Moment sind wir voller Dankbarkeit und Freude, die genau so lange anhält, bis wir das Produkt installiert haben und das erste Spiel gespielt haben. Freude kann man eben nicht kaufen. Wie Fritz Reheis richtig darauf hinwies, brauchen wir gute Beziehungen, geistige und körperliche Betätigungen, sowie Achtsamkeit zum Glücklichsein und nicht etwa materiellen oder finanziellen Reichtum. (Reheis, Die Resonanz Strategie. 228)

In meiner Familie gab es immer Massen an Geschenke zu Weihnachten. Ich gab meist mehr für Geschenke aus, als ich überhaupt verdient habe. Dieses Jahr habe ich zumindest mit Schwester und meinem Freund ausgemacht, dass wir uns nichts schenken. Meine Freundinnen bekommen alle selbstgebackene Kekse. Und auch alle anderen Geschenke werden eher klein ausfallen. Denn auch so kann man unserem System in dieser Krise unter die Arme greifen. Mit sinnvollen Geschenken. Mit Gutscheinen für Restaurants, mit Jahreskarten für Museen, mit Kinogutscheinen, oder Konzerttickets, mit Microadventures, mit kleinen Ausflügen, Hotelgutscheinen, oder einen Nachmittag am nächsten Eislaufplatz. Aber auch materille Geschenke mit Mehrwert machen Sinn. Besondere Lebensmittel, selbstgemachte Seifen, oder fair und nachhaltig produzierte Kleinigkeiten. Viele der Produkte können aber auch einfach second hand gekauft werden. Wie etwa ein Smartphone, ein Fernseher oder eine Spielekonsole. 

Wir müssen für Veränderung eintreten

Ich sehe mich oft als ein Individuum in meiner Kaufentscheidung, aber auch ich bin Teil dieses kapitalistischen Systems. Ich bin aufgewachsen in der Konsumgesellschaft und noch immer aktives Mitglied davon. Wir können uns als Individuen zwar davon distanzieren, aber wir werden immer noch Teil davon sein. Wie Luisa Neubauer so schön sagt: „Es gibt kein nachhaltiges Handeln, in einer nicht-nachhaltigen Gesellschaft“. Was aber nicht bedeuten soll, dass wir nicht für eine nachhaltige Gesellschaft kämpfen können. Gewisse Geschäfte zu boykottieren, sein Amazon Konto zu kündigen, Produkte reparieren zu lassen, second hand zu kaufen und vor allem auch mit anderen darüber zu sprechen. Genauso sehr wie wir die Macht haben die Wirtschaft anzukurbeln und damit Arbeitsplätze zu schaffen, so sehr haben wir auch die Macht in diesem System Veränderung herbei zu bringen. Wenn die Politiker*innen diesbezüglich nichts verändern, dann müssen wir mit unserem Kaufverhalten endlich anfangen für Nachhaltigkeit zu stehen. Alleine ist das natürlich nicht schaffbar, aber gemeinsam sehr wohl.

Quellen und weiterführende Literatur:

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2 comments so far.

2 Antworten zu “Konsum und Klima – Warum wir mit Wirtschaftswachstum nichts besser machen”

  1. angelique sagt:

    Sehr guter Beitrag zum [NICHT]Konsum. Es gibt viele Möglichkeiten den Konsum in den Hintergrund zu stellen. So finde ich, dass Zeit eines der wertvollsten Geschenke ist.

    • Mira sagt:

      Liebe Angelique,
      vielen Dank für dein liebes Kommentar!
      Meiner Meinung ist Zeit tatsächlich eines der wichtigsten Aspekte in unserem Leben – eben auch als Geschenk.
      Alles Liebe,
      Mira

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