by Mira – nachhaltig Leben und Genießen

Im Zug von Budapest nach Wien

Processed with VSCOcam with s1 presetEigentlich wollte ich heute einen Reisebericht zu Budapest hier auf meinem Blog veröffentlichen. Ich kann euch aber nicht eine heile Welt aus Ungarn zeigen, ohne tatsächlich darauf einzugehen was dort momentan am Bahnhof Keleti passiert. Ich möchte diesen Beitrag nutzen um nicht nur auf die momentane Lage aufmerksam zu machen, sondern um euch eine Geschichte zu erzählen, die ich so auf meiner Reise erlebt habe…

Nach und nach wurde auf immer mehr Blogs das Thema Flüchtlinge aufgegriffen. Ich habe mir immer gedacht „Gut! Toll, dass diese Gedanken auch Platz in einer Bloggerwelt haben!“. Ich hätte natürlich auch sofort auf den Zug aufspringen können und meine Gedanken dazu schreiben können, aber ich habe es nicht für notwendig gehalten. Einerseits lesen ja sowieso nicht so viele Leute meinen Blog, dass es tatsächlich etwas bewirken könnte und andererseits, die Leute die ihn lesen haben ja sowieso dieselbe Einstellung wie ich zu dem Thema. Das mag vielleicht sogar alles stimmen! Nach dem ich aber auf Facebook in meinem Bekanntenkreis (sehr weit bekannt) doch tatsächlich Hasspostings entdeckt habe, Leute die in Frage stellen was seit Wochen in Traiskirchen von Freiwilligen geleistet wird, musste ich einsehen, dass nicht jeder so denkt wie ich (obwohl wir die selbe Ausbildung genossen haben).

Im Zug von Budapest nachVorletzte Woche bin ich recht spontan nach Budapest gereist, einfach weil ich die Stadt schon immer mal besuchen wollte. Ich habe damals noch nicht gewusst, was da am Bahnhof abgeht und bin relativ blauäugig am Bahnhof Keleti angekommen. Als ich zur U-Bahn ging sah ich einige Leute die am Boden ihr kleines Lager aufgeschlagen hatten. Ich dachte zuerst an Obdachlose, aber als ich ums Eck ging wurden es immer mehr. „Transitzone“ wurde der abgesperrte Bereich genannt und dahinter befanden sich hunderte Familien, die mit Decken ihr Revier markierten. Es war heiß, die paar Duschen und WCs wurden komplett von Flüchtlingen blockiert, aber es war ruhig. Niemand regte sich auf, es schien alles gut organisiert zu sein. Ich war ganz schön schockiert, als ich realisierte, dass es sich hier um Flüchtlinge handelt die nicht etwa in einem Haus sondern eben direkt am Bahnhof am Betonboden untergebracht waren. Als ich zwei Tage später wieder am Bahnhof für meine Abreise stand, war die ganze Situation bereits ausgeartet. Ich hatte eine Stunde auf meinen Zug zu warten (da war ich aber selber schuld, Züge wurden vorletzte Woche ja noch ganz normal durch gelassen). Ich ging noch mal aus dem Gebäude raus um einen Supermarkt zu finden, dann erst bemerkte ich was vor dem Bahnhofsgebäude abging. Hunderte Menschen hatten hier ihr Lager aufgebaut, es hatte 35°, im Schatten kamen sie alle zusammen und versuchten die Zeit verstreichen zu lassen. Kamerateams spazierten umher und fingen Bilder ein. Ich ging weiter, wollte nicht glotzen, hatte noch ein paar Forint eingesteckt und hätte sie gerne jemanden geben. Aber ich sah niemanden betteln und ich hatte zu viel Respekt, einfach auf jemanden zuzugehen und ihm das Geld zuzustecken. Mir erschien das bescheuert. Auch im Bahnhofsgebäude eskalierte die Situation. Die Transitzone wurde nicht mehr beachtet, die breitete sich auf den gesamten Bahnhof aus. Normale Sitzplätze für wartende Passagiere gab es nicht mehr, aber das war mir egal. Als ich so da stand und auf den Zug wartete beobachte ich drei syrische Kinder die den Bahnhof zu ihrem Spielplatz gemacht hatten, der eine kam zu mir her und verwechselte mich scheinbar mit seiner Mutter. Er versteckte sich hinter meinen Rock und hielt sich an meinem Bein fest. Viele Familien warteten gemeinsam am Bahnhof auf ankommende Freunde und Familien. Ich wollte nur zurück nach Wien. Was für ein Privileg, einfach mal hier auf Urlaub zu fahren. Mein Zug kam, ich ging zum Bahnsteig. Auf den Bahnsteigen waren nur Leute mit Tickets erlaubt, das wurde auch streng von herum streunenden Polizisten kontrolliert. Der Zug füllte sich, er war voll. Aber es waren keine Flüchtlinge an Bord und die die so aussahen wurden natürlich sofort von der Polizei kontrolliert, wie ein Pärchen das gegenüber von mir saß. Beide sprachen Ungarisch und Deutsch, der Mann konnte auch Arabisch, die Polizei ließ die beiden schnell wieder in Frieden. In Györ stieg eine Familie zu, sie hatten kein Gepäck, sie wollten nach Salzburg und kamen aus Aleppo wie sich später heraus stellte. Ich wurde auf die Familie aufmerksam als hinter mir der ungarische Schaffner laut „Ticket! You need Ticket“ geschrien hat. Ein Österreicher mischte sich ein und wiederholte seine Worte, schließlich schüttelte er den Kopf und murmelte „Scheiß Zigeuner“. Der Mann gegenüber von mir ging nach hinten und half beim Übersetzen und es stellte sich heraus, dass die Familie, mit drei Kindern, keine Tickets hatte. Der Schaffner murmelte was von „Polizei“, ging aber dann weiter. In Hegyeshalom, an der Österreich-Ungarischen Grenze kam keine Polizei und die Familie musste auch nicht aussteigen. Als der österreichische Schaffner vorbei kam, ignorierte er die Familie einfach und verlangte nur die Tickets aller anderen. Die syrische Familie wurde einfach so, ohne Tickets über die Grenze gelassen. Ich war sprachlos und gerührt. Eine Österreicherin trat an die Familie heran und gab ihr eine Telefonnummer von einer Stelle an die sie sich in Österreich als Flüchtlinge melden konnten. Der Mann gegenüber von mir übersetzte.

Ich war fasziniert von dieser Zugfahrt und hatte Tränen in den Augen. Abgesehen von dem einen Österreicher der sie verachtend beschimpft hatte, war die Zivilcourage so groß in diesem Zug. Ticketkontrolleure, die darüber hinweg sahen, dass jemand kein Ticket hat. Ich hätt nie gedacht, dass es jemals zu so einem Tag kommen würde. Aber hier war er und ich mitten drinnen.

Im Zug von Budapest nach WienNur ein paar Tage später las ich in der Zeitung, dass Züge aus Budapest nicht mehr verkehren sollten und dass hunderte von Flüchtlingen versuchten den Bahnhof Keleti zu verlassen. Natürlich, für mich machte das nur Sinn. Die Politik versuchte die Weiterreise zu verhindern, doch die Menschlichkeit, die Zivilcourage war es dann, die es ermöglichte, dass tausende Menschen von Budapest es bis nach Österreich und Deutschland schafften. Ich war sprachlos als ich dieses Interview (ab Minute 4:26) mit dem österreichischen Polizeisprecher  sah und ich war gerührt als ich jedes Mal wenn ich mich als Freiwillige für die Caritas eintragen wollte, schon alle Termine belegt waren. Der Fremdenhass hier in Österreich ist natürlich noch riesengroß, aber die Liebe, die momentan verbreitet wird und die Hilfsbereitschaft ist momentan so präsent dass man das Gefühl hat es kann eigentlich nur besser werden!

Verbreitet so viel Liebe wie möglich! #refugeeswelcome

Share:
1 comments so far.

Eine Antwort zu “Im Zug von Budapest nach Wien”

  1. Das sind wirklich unglaubliche Situationen die sich da gerade abspielen.
    Ich verfolge es auch täglich und bin gleichermaßen geschockt und gerührt was alles um uns herum und mit den Menschen die flüchten mussten passiert.

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hey, Ich bin’s MIRA

Schön, dass du auf meinem Blog gelandet bist! Hier teile ich meine Erfahrungen und meinen Weg zu einem umweltbewussteren Leben. Reisen, Mode und Essen spielen dabei eine besonders große Rolle!

ROEDLUVAN on Instagram

  • Ran ans Gemse! Heute war der erste Tag EinwegplastikFasten und
    3 Wochen ago by roedluvan_at Ran ans Gemüse! Heute war der erste Tag  #EinwegplastikFasten  und ich kann stolz sagen, heute hab ich kein neues Plastik konsumiert. Mittagessen für die Arbeit von zuhause mitgenommen und ganz viel frisches unverpacktes Bio-Gemüse vor die Haustür geliefert bekommen. Seit drei Jahren bekommen wir fast jeden Mittwoch eine Bio-Kiste vor die Wohnungstüre geliefert. Ein Resultat meines ersten  #PlastikFasten  versuchs. Ich spare mir somit den Gang in den Supermarkt, es schleichen sich keine 'Spontankäufe' ein und ich kann super easy auf Einwegplastik verzichten. Außerdem liebe ich es mit verschiedenem Gemüse überrascht zu werden und kreativ in der Küche etwas neues zu
  • Zweiter Tag EinwegplastikFasten ich lebe noch von den Grundnahrungsmittel die
    3 Wochen ago by roedluvan_at Zweiter Tag  #EinwegplastikFasten  ich lebe noch von den Grundnahrungsmittel, die ich vor Wochen gekauft habe. Außerdem findet sich in der Speis noch ein paar alte Müsliriegel, die ich jetzt wegen mangelnder Alternativen auffuttere... Momentan ist das  #PlastikFasten  eher eine  #eatupchallenge  ‍♀️ Ist aber auch nicht so schlimm. Erst morgen ist wieder ein Besuch im Supermarkt notwendig und auch schon die erste richtige Herausforderung steht an: Olivenöl ohne Plastik Verpackung über dem Verschluss? Habt ihr Tipps dafür? Am besten auch leistbar. Wie war euer zweiter Tag?  #fuerteventura   #elcotillo   #consciousliving   #nachhaltigleben   #greenlifestyleblogger   #ecoblogger   #zerowastelife   #plastikfrei   #greenlifestyle 
  • Weekend mood on  Als Jugendliche mochte ich Second Hand
    2 Wochen ago by roedluvan_at Weekend mood on. ☀️ Als Jugendliche mochte ich Second Hand Kleidung gar nicht! ‍♀️ Ich fand die total unhygienisch und wollte generell keinen alte Kleidung anziehen. Seit ungefähr fünf Jahren bin ich ein riesen Fan davon. Angefangen mit kleidertauschparties, dann auf Flohmärkten und Vintage Läden. Ich liebe die Einzigartigkeit und die Vielfältigkeit die  #vintageKleidung  zu bieten hat. Außerdem gibt es keine ökologischer Methode um neuen Schwung in den Kleiderschrank zu bringen. Auf dem Foto ist übrigens nur die Hose neu gekauft und die wurde heute zum zweiten Mal zur Schneiderin gebracht, weil ich sie ein wenig 'gesprengt' habe.  #vintageoutfit   #secondhandootd 
  • Nach zwei Wochen EinwegplastikFasten waren wir diese Woche das erste
    5 Tagen ago by roedluvan_at Nach zwei Wochen  #EinwegplastikFasten  waren wir diese Woche das erste Mal wieder im verpackungsfreien Supermarkt. Da wir eigentlich generell einen guten Vorrat an trockenen Lebensmittel, wie Nüsse, Gewürze, Getreide und Pseudogetreide zuhause haben, kamen wir bisher noch ganz gut plastikfrei davon. Diese Woche gingen dann aber schön langsam Hanf-Samen, Nüsse, Kaffee und Paprikapulver zu Ende, also mussten wir in drei verschiedene Läden um diese Dinge zu bekommen. Hanfsamen beim  @der_greissler  im 8. Bezirk, Kaffee bei  @tchibo  und den Rest gab's dann bei der  @warenhandlung_wenighoferwanits  im 3. Bezirk. So verbringt man dann eben seine freien Tage. ‍♀️ Preislich bewegen wir uns
  • Post Hurrikan Wetter oder so  ber unsere Tage in
    4 Tagen ago by roedluvan_at Post Hurrikan Wetter oder so. ️ Über unsere Tage in Flores und unter anderen auch unsere Wander-Strapazen und die unendlich starken Naturgewalten schreibe ich in meinem neuen Blog Beitrag. Nach dem  #hurricanhelene  war nämlich nicht gerade die beste Zeit um in den Bergen wandern zu gehen und sogar für einen Spaziergang war es 'wild'. Bei diesem Foto springe ich nämlich nicht, sondern es hat mich der Wind von der Mauer geschmissen. Trotzdem traumhafte Insel, keine Frage.  #flores   #ilhadasflores   #Azoren   #acores   #visitazores   #slowtraveling   #conscioustravel   #nachhaltigreisen 
  • Zweieinhalb Wochen EinwegplastikFasten Dieses Jahr ist das PlastikFasten so viel
    2 Tagen ago by roedluvan_at Zweieinhalb Wochen  #EinwegplastikFasten  Dieses Jahr ist das  #PlastikFasten  so viel einfacher als die beiden Male zu vor. Ich weiß bereits auf was ich mich einlasse und wo es die Objekte der Begierde ohne Plastik zu kaufen gibt. Heute hab ich mich mit  @mr__stsr  ausgetauscht, die zum ersten Mal Plastik fastet und wir waren beide der Meinung, dass es in erster Linie  #klumpatfasten  ist. Also auf gut deutsch, "Zeug fasten, welches man eh nicht braucht bzw nicht gut ist". ‍♀️ Ich kauf nämlich momentan keinen Fleisch- oder Käseersatz, oder auch keine Kekse, andere Süßigkeiten oder Chips. Also nicht nur gut für
  • Gewinnspiel So hnlich wie mit der second hand Kleidung war
    2 Wochen ago by roedluvan_at *Gewinnspiel* So ähnlich wie mit der second hand Kleidung war das bei mir auch mit Seife. Niemals hätte ich mir vor einigen Jahren nur denken können, dass ich mich mit Seife dusche, oder sogar die Haare wasche. Irgendwie fand ich das nie besonders hygienisch oder praktisch. ‍♀️ Während meinem ersten Mal  #plastikfasten  vor drei Jahren habe ich mich dann aber doch ran gewagt und habe Duschgel und Shampoo mit Seife ersetzt. Ich war auf Anhieb begeistert und alle Vorurteile waren weg! Seit zwei Jahren verwende ich nun fast ausschließlich die Seifen von  @allesseife  Für die Haare benutze ich 'Hopfen und
  • Ilha das Flores Es hat ja nur ein halbes Jahr
    1 Woche ago by roedluvan_at Ilha das Flores. Es hat ja nur ein halbes Jahr gedauert, meine ganzen Fotos zu bearbeiten und alle Infos zusammen zu tragen und dann alles in einen zusammenhängenden Text zu fassen. ‍♀️ Aber jetzt ist er da, mein Blogbeitrag zur wohl atemberaubendsten Insel Europas. ️ "Hier möcht ich alt werden" hab ich zu Alex gesagt. Am Ende der Welt, wo man mit der Natur Eins ist.  #slowtraveling   #conscioustravel   #ilhadasflores   #flores   #fajagrande   #pocodobacalhau   #acores   #Azoren   #nachhaltigreisen 

Archive

Blogheim.at Logo