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Traveldiary: ein Wochenende in Rio de Janeiro

traveldiary-rio-dois-irmaosAls ich Brasilien noch nicht kannte, hab ich nie gewusst, was eigentlich alle so toll finden an dieser Stadt. Ich bin weder die lange Nachtschwärmerin, noch stehe ich auf Massenaufläufe wie den Karneval, am Po bin ich auch am Strand lieber bedeckt und Fußball interessiert mich eigentlich auch nicht. Ja, das sind so die Klischees ohne die Rio eigentlich gar nicht mehr auskommt und um ehrlich zu sein, werden diese auch mehr als erfüllt. Dass Brasilien und vor allem auch Rio viel mehr zu bieten haben als Karneval, nackte Hintern, Fußball und Samba wurde mir spätestens 2012 bei meinem ersten Aufenthalt in der wundervollen Stadt bewusst. Ich wusste, hier muss ich wieder hin und durfte schlussendlich mit einem Stipendium im Gepäck dieses Jahr die Nachbarstadt Niterói mein Zuhause nennen. Ein Ausflug nach Rio war mindestens einmal die Woche drinnen und für das Wiedersehen mit meinem Freund ließen wir uns sogar als Touristen in ein Hostel einquartieren. Nur zwei volle Tage in Rio? So einfach geht’s…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAAm späten Freitagnachmittag ist Alex in Rio gelandet. Mit dem Taxi ging es für umgerechnet 30€ direkt ins Hostel  nach Santa Teresa. Nachdem ich zuvor bereits in Lapa und Gloria übernachtet hatte, wollte ich diesmal in meinem Lieblingsviertel hoch über den Dächern in Santa Teresa wohnen. Der Bezirkt ist einer der ältesten in Rio, und beherbergt noch wunderschöne spätkoloniale Häuser, die im 19. Jahrhundert von den verschiedensten europäischen Künstlern besiedelt waren. Neben ungewöhnlichen Souveniershops und brasilianischen Designerläden, bekommt man vor allem auch gastronomisch einiges zu bieten. Die Bars, mit ihren hohen offenen Fenstern erinnern an längst vergangene Zeiten und überall spielt eine Band oder eine einsame Gitarre klimpert alte Bossa Nova Songs. Das ist definitiv mein Rio, zwischen den ganzen alten Häusern fühl ich mich immer noch am wohlsten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERADas Terra Brasilis Hostel war genau in so einem Haus. Kolonialstil, hohe Räume, bunte Türen, der hölzerne Fußboden knarrt und eine riesen große Terrasse lädt zum Verweilen ein. Wir nahmen uns ein Privatzimmer mit eigenem Balkon, von hier aus konnte man Abends noch das Nachtleben in Lapa beobachten und gemütlich das ein oder andere Bier trinken. Zwar wurde die Lage, die Entfernung zur nächsten Metrostation von vielen Gästen stark kritisiert, aber genau das machte den Reiz aus. Und sobald man sich etwas zu Recht gefunden hat, spaziert man die fast 45° geneigte Straße mit Leichtigkeit hinauf.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADirekt gegenüber des Hostels befindet sich der Parque das Ruinas. Ein kleiner Park mit einem Gebäude, das eigentlich nur noch aus den tragenden Säulen besteht. Von hier aus hat man einen 360° Ausblick über ganz Rio, man kann sich einen Kaffee im Schatten gönnen oder hört sich am Abend dort ein Konzert an.

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Keine fünf Gehminuten entfernt trifft man auf die Escadaria Selarón. Eine Stiege, die ursprünglich durch triste Favelas führte. Heute ist die Gegend vor allem durch die Stiege aufgeblüht und ist einer der Touristenmagnete in Rio. Der Künstler Jorge Selarón hatte sich die Lebensaufgabe gestellt die Stiege mit Fliesen aus aller Welt zu dekorieren. 2012 habe ich ihn noch direkt erlebt, wie er eine nach der anderen angebracht hat. Ein Jahr später ist er leider verstorben. Obwohl nicht vollendet, ist die Stiege heute noch ein Muss für jeden Rio-Touristen und für uns war es jeden Tag der Weg hinunter in die Stadt und wieder hinauf zum Hostel.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERANach dem wir Freitag unseren Abend in Santa Teresas‘ Bars ausklingen ließen, ging es für uns Samstags schon früh über die Escadaria Selarón hinunter in die Stadt. Unser erster richtiger Programmpunkt war der Zuckerhut, von hier aus hat man nicht nur eine herrliche Aussicht, sondern erlebt auch etwas Urwaldfeeling inmitten der Großstadt. Wir fuhren nämlich nicht einfach mit der Seilbahn hinauf, wie ich es vier Jahre zuvor gemacht hatte, sondern wir wanderten bis zur ersten Seilbahnstation hinauf. Hinter der Praia Vermelha verbirgt sich ein kleiner Weg, der direkt an der Küste des Morro da Urca entlangführt. Auf halber Strecke geht ein kleiner gut befestigter Wanderweg bergauf Richtung Seilbahnstation. In 45 Minuten kommt man an Lianen, kleinen Äffchen, und außergewöhnlichen Pflanzen vorbei. Vor allem unter der Woche oder in der Nebensaison hat man den Wanderweg fast nur für sich. Dieses Mal mussten wir ihn leider mit einigen anderen Wanderbegeisterten teilen. Oben angekommen, braucht man dann nur noch das Ticket für die letzte Seilbahnfahrt zum Zuckerhut und kann bei einem kühlen Getränk die Aussicht genießen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERANach unserer ausgiebigen Wanderung und sehr viel zu Fuß gehen (die Metrostation ist leider vom Zuckerhut 20 Minuten entfernt), ging es über die Escadaria Selarón wieder zurück ins Hostel. Nach einer kleinen Duschpause, ging es dann wieder zu den netten Bars und Lokale die sich überall in Santa Teresa verstecken.

traveldiary-rio-ipanema-dois-irmaosDer Sonntag war eindeutig für Ipanema reserviert. Gut bepackt mit Sonnencreme und Wasserflasche ging es für uns direkt nach dem Frühstück auf unserer Sonnenterasse in den nobelsten von allen Bezirken – Ipanema. Nicht nur der Strand hat hier einiges zu bieten, sondern auch der wöchentlich stattfindende Hippiemarkt. Eine Mischung aus unnötigen Souveniers, filigranem Schmuck, künstlerischen Gemälden und alle möglichen handgemachten Utensilien, findet eigentlich jeder irgendetwas an diesem riesigen Markt. Ich hab mich damals mit Schmuck, Holzschüsseln, Seifen und hölzernen Bananen eingedeckt. Dinge, die die Welt nicht braucht.

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Nach dem wir ungefähr zwei Stunden in praller Mittagshitze am Markt verbracht haben, entschieden wir uns an den Strand zu gehen. Für 20 RS bekamen wir zwei Stühle, und exzellenten Service. Der ganze Strand funktioniert eigentlich wie ein eigenes Restaurant. Jede Sekunde wird dir ein neues Gericht angeboten, und innerhalb eines Umkreises von fünf Metern wird dieses Gericht auch mindestens einmal gekauft. Insgesamt haben wir 11 verschiedene Snacks gezählt, die man am Strand jederzeit von umher spazierenden Verkäufern erstehen kann. Neben Açaí, Maiskolben und Hotdogs, gibt es unter anderem auch Zuckerwatte, Scampi am Spieß und Grillkäse. Wir gönnten uns zwei große Caipirinhas und einen Becher Açaí und konnten beobachten wie die Sonne hinter den Dois Irmãos, den zwei Bergen am Ende des Strandes, langsam unterging.

vegetarisch-essen-in-rio-acaiKurz bevor es ganz dunkel wurde eilten wir zur Metro zurück und spazierten wieder über die Escadaria Selarón zurück nach Santa Teresa. Auch unseren letzten Abend verbrachten wir wieder in unserem Viertel und genossen noch das ein und das andere Bier in Innenhöfen von diversen Bars.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMontagmorgen ging es nach einem  ausgiebigen Frühstück schon wieder zurück nach Niterói. Irgendwie traurig, dass ich dieser Stadt somit das letzte Mal meinen Rücken kehrte. Aber der Abgang war auch irgendwie perfekt, vor allem gemeinsam mit Alex.

Wer von Rio nicht genug bekommen kann, findet hier meine Geheimtipps zu Rio, meinen vegetarischen Lokalguide und hier meine „DOs and DON´Ts“ für die brasilianische Großstadt

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