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Reisen und das Mittelmeer vom Plastikmüll retten

reisen und das mittelmeer vom plastikmüll retten-3Das Mittelmeer versinkt im Plastik und gilt laut aktuellem WWF Report als sechst größtes Sammlungsgebiet für Meeresmüll weltweit. Bereits 2050 soll es mehr Plastikmüll als Meereslebewesen im Meer geben. Eine erschreckende Bilanz doch das ist leider noch nicht alles. Wir sind alle betroffen davon und sollten daher schleunigst reagieren.

Als ich im Mai dieses Jahres Istrien besuchte, fiel mir eines sofort auf: die Strände sind verschmutzter denn je. Seit ich denken kann komme ich jedes Jahr an genau den selben Ort und sehe wie er sich verändert hat. Aber so schlimm wie dieses Jahr hab ich den Ort südlich von Umag noch nie gesehen. Oder hatte ich in den vergangenen Jahren einfach Scheuklappen auf und wollte es nicht wahr haben? Das würde zumindest einiges erklären, denn nicht ohne Grund war ich die einzige, die sich ein Sackerl besorgt hat und zumindest den sichtbaren Müll versuchte unter Kontrolle zu bekommen. Haben wir schon resigniert und finden wir es mittlerweile normal neben einem leerem Waschmittelkanister zu plantschen? Wenn das Bewusstsein da wäre, wer würde dann noch die Eisverpackung einfach dort fallen lassen, wo er sie ausgepackt hat? Ganz eindeutig, das Problem ist noch nicht angekommen – schon gar nicht bei den 320 Millionen Touristen die jeden Sommer ans Mittelmeer kommen, wodurch der Müll der im Meer landet um 40% steigt.

reisen und das mittelmeer vom plastikmüll retten

Na klar, die erste Antwort ist immer: die Regierung und die einzelnen Staaten am Mittelmeer müssen etwas ändern. Aber wir kennen das Prozedere und wir kennen die Prioritäten unserer Politiker momentan – die ganz offensichtlich nicht an dem Erhalt unseres Planeten interessiert sind. Die neue EU-Verordnung gegen Plastik bringt natürlich einiges ins Rollen und ist schon einmal ein riesiger Meilenstein in diesem Prozess. Aber was ist mit Nicht-EU Staaten, die an das Mittelmeer angebunden sind? 144 Tonnen Plastik werden täglich(!) in der Türkei im Mittelmeer entsorgt. Zwar versucht die Türkei mit dem Einstellung von gratis Plastiksackerl ab 2019 diesem Problem entgegenzuwirken, dennoch scheint das nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein zu sein.

Das größte Problem in der Verschmutzung der Mittelmeere sind Lücken im Abfallmanagement. Im Mittelmeer werden auf Grund der Konzentration von Menschen an den Küsten die Mülldeponien sehr nahe am Wasser gebaut. Durch Wind, Flüsse oder Lecks gelangt der Müll so sehr einfach ins Meer. In Libyen wurde eine der größten Mülldeponien sogar direkt am Strand installiert. Flüsse die in das Mittelmeer fließen sind ebenso verantwortlich für die hohe Verschmutzung. Nicht nur sichtbarer Müll, sondern auch Abwasser und Mikroplastik werden dadurch in die Meere gespült. Außerdem spielt natürlich noch die unachtsame Entsorgung von jedem einzelnen von uns und das Vertragen von Wind und Wasser in der Nähe der Stränden, eine große Rolle.

reisen und das mittelmeer vom plastikmüll retten-227 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr im Mittelmeer. Plastik wird aus Erdöl und Erdgasen hergestellt und ist extrem toxisch für die Meere. Aber auch Zigarettenstummel sind besonders gefährlich für die Ozeane und brauchen in mindestens 5 Jahre bis sie zersetzt sind und verseuchen dadurch mindestens 40 Liter Wasser. Reguläre Plastiksackerl benötigen 20 Jahre, Fischernetze sogar bis zu 600 Jahre zur kompletten Auflösung. Beim Abbau dieses Mülls kann sogenanntes „Mikroplastik“ entstehen, das auf Grund seiner Größe besonders heimtückisch ist. Neben dem Meer, verschmutzt es Luft und Trinkwasser und landet in Folge dessen in Salz, Honig, Bier und natürlich Meereslebewesen. Das Verschlucken von Plastik führt bei den meisten Meereslebewesen zum Tod durch Geschwüre oder inneren Verletzungen. Die sogenannten „Geisternetze“ (das sind Fischnetze, die im Meer herumtreiben) kosten außerdem viele Meeresbewohner, wie Robben, Schildkröten und Fischen, die sich darin verfangen, das Leben. Schockierend genug: mittlerweile haben 90% aller Seevögel Plastikteilchen in ihrem Mägen.

Beim Reisen und im Urlaub selbst aktiv werden!

Wichtig ist es also vor allem auch selbst Zeichen zu setzen. Mit gutem Beispiel voran zu gehen und andere Menschen zu motivieren dasselbe zu tun, ist meine Devise. Ich nenne das auch liebevoll den „stillen Protest“. Deshalb sollte man vor allem im Urlaubsland nicht alle Ideologien über den Haufen werfen, weil man plötzlich in einer anderen Sprache kommunizieren muss, sondern dennoch beim täglichen Broteinkauf, freundlich auf das Plastiksackerl verzichten und am Abend den Kellner nett darauf hinweisen, dass man eben keinen Strohhalm braucht. Wenn der Kellner es nicht gleich versteht, dann vielleicht beim nächsten Mal. Wichtig ist es ein Zeichen zu setzen und dem Barpersonal oder dem Supermarkt zu zeigen, dass wir Kunden eben keine zwei Strohhalme in einem Getränk und auch nicht jedes Mal ein neues Plastiksackerl benötigen.

Neben dem Verzicht auf Plastikverpackungen, kann man im Urlaub auch selbst anpacken und am Strand ein bisschen aufräumen. Den Strandspaziergang mit einem Beach-Clean-Up zu verbinden kann außerdem eine amüsierende Beschäftigung sein, bei denen man immer wieder sehr seltsame Produkte findet, die manchmal vielleicht sogar schon einige Jahrzehnte alt sind. Vielleicht kann man dabei sogar ein paar andere Touristen anstecken oder auch Freunde und Familie. Ich war super glücklich, als ich gemerkt habe, dass meine Mama und meine Freundin gleich mit angepackt haben und meine Schwester das sogar ohne Aufforderung mit der Kamera dokumentiert hat. Am Ende hatten wir sogar ein nettes Gespräch mit einem tschechischen Pärchen, die sich bei uns bedankt haben, dass wir den Strand sauber machen. Auch sie kannten das Problem und zeigten uns Fotos von einer kroatischen Insel, an dessen Strand Kühlschränke entsorgt wurden und sie versuchten mit der lokalen Behörden den Sperrmüll dort zu entfernen – ohne Erfolg.

reisen und das mittelmeer vom plastikmüll retten-4Fotos von PIXELLICIOUS 

Es liegt also in erster Linie an uns etwas zu verändern und andere Menschen mit unserer Motivation anzustecken. Dann vielleicht, wird sich auch was in der Regierung und bei den ProduzentInnen ändern. Gehen wir weiterhin so mit unserem Mittelmeer um, gibt es also bald mehr Plastik in den Meeren als Lebewesen und für uns sollte es immer normaler werden neben einer Welle aus Plastik zu schwimmen. Auch ich muss mich an den Ohren nehmen. Der Plastikverzicht im Urlaub ist nicht ganz so einfach wie zu Hause, dennoch dürfen wir uns keinen Urlaub von unseren Ideologien nehmen. Mein Ziel: weniger Strohhalme, weniger Brot im Plastiksackerl und mehr Meer.

Quellen und mehr Infos zu dem Thema: 

Was sind eure Erfahrungen mit Müll im Meer? Seid ihr selbst aktiv oder wollt ihr es werden?

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7 Comments

  • Reply Thomas Otterpohl Juli 27, 2018 at 12:48 pm

    Steter Tropfen höhlt den Stein. Auch ich habe besonders in Brasilien jede Menge Müll en den Ständen entdeckt und auch eine Reinigungsaktion mitgemacht. Die fand allerdings gleich mit Radlader stand. Aber jedes noch so kleine bisschen Plastik weniger hilft, dass muss allen klar werden, immer. Beim Einkauf nehmen wir Mehrwegverpackungen mit und lassen uns z. B. Ben Aufschnitt reinpacken. Das machen aber leider nur die wenigsten Geschäfte.
    Gruß Thomas

    • Mira
      Reply Mira Juli 27, 2018 at 1:10 pm

      Lieber Thomas,
      genau so ist es! Manchmal muss man eben mit kleinen Schritten voran gehen. Aber es wäre falsch zu glauben, wir könnten einfach so weiter leben und es würde sich das ganze Plastik dann plötzlich in Luft auflösen. Ich find’s toll, dass du auch auf Reisen versuchst Einwegplastik zu vermeiden! Das ist echt nicht immer Einfach. Aber irgendwann ist die Message auch im kleinsten Kaff oder im größten Supermarkt angekommen.
      Alles Liebe,
      Mira

  • Reply Leni Juli 28, 2018 at 12:38 pm

    Ich finde es auch immer wieder erschreckend, wie viel Müll an den Stränden einfach so liegen gelassen wird. Ich wohne selbst am Meer und sehe immer wieder, dass Urlauber ihre Plastikflaschen nach dem Strandbesuch einfach stehen lassen. Jetzt könnte man gutmütig meinen sie lassen die für den Pfandsammler stehen, der regelmäßig vorbeikommt. Aber der hat von Plastikflaschen ohne Etikett auch nichts mehr.
    Allerdings muss man auch sagen: viele Menschen kümmern sich darum ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen: die Mülleimer sind aber häufig so überfüllt zur Mitte des Tages, dass die Möwen den ganzen Müll auf Suche nach Futter wieder herausziehen. Hier kann der einzelne Strandbesucher nun wirklich nichts für die Verschmutzung: es müssten einfach mehr Mülleimer aufgestellt oder diese regelmäßiger entleert werden. Ich nehme meinen Müll dann lieber gleich mit, sodass der Mülleimer nicht noch voller wird. Aber ich versuche auch im Vorhinein schon möglichst wenig Müll mit an den Strand zu nehmen und zu produzieren.
    Liebe Grüße,
    Leni :)
    https://www.sinnessuche.de

    • Mira
      Reply Mira Juli 31, 2018 at 10:29 am

      Liebe Leni,
      vielen Dank für dein Kommentar! :)
      Das mag schon stimmen, dass es teilweise einfach zu wenig Mülleimer gibt, oder welche die schlecht vor Wind geschützt ist. Es liegt aber immer in der eigenen Verantwortung, nicht auf einen übergehenden Müllberg auch noch was drauf zu legen, dass dort nicht lange bleiben wird. Wie du sagst, ist es oft besser den eigenen Müll wieder mit nach Hause oder zum Hotel zu bringen, um ihn dort ordnungsgemäß zu entsorgen. Aber das Müllsystem an sich gehört definitiv überholt, genau wie unser unachtsamer Umgang mit Müll.
      Alles Liebe,
      Mira

  • Reply Monthly Review: Juli - sinnessuche.de August 2, 2018 at 3:57 pm

    […] Außerdem wollte ich euch noch gerne auf einen Artikel aufmerksam machen, der vor allem jetzt in der Urlaubszeit beherzigt werden sollte: http://www.roedluvan.at/livestyle/reisen-und-das-mittelmeer-vor-plastikmuell-retten/ […]

  • Reply Andre August 7, 2018 at 4:40 pm

    Hi Mira,
    auch wir haben dieses Problem dieses Jahr auf den Inseln in Okinawa gesehen. Deshalb haben auch wir eine Säckchen mit an die Strände genommen und dort den Plastikmüll den wir finden konnten aufgesammelt. Besonders schlimm für Meereslebewesen sind Strohhälme. Jeder Mensch sollte sich an seine eigene Nase fassen und unnötigen Plastikmüll vermeiden.
    Viele Grüße Andre

    • Mira
      Reply Mira August 8, 2018 at 10:49 am

      Lieber Andre,
      es ist wirklich großartig zu hören, dass immer mehr Menschen mit anpacken und die Strände sauber zu halten!
      Vielen Dank für dein tolles Engagement! Daher sollte man diese Message auch immer wieder nach Außen tragen, damit sich auch andere Leute angesprochen fühlen und mitmachen den Planeten sauber zu halten.
      Du hast recht, Strohhälme sind wirklich katastrophal. Ich habe gelernt, dass es richtig lustig werden kann, wenn man Strohhalme in Bars und Resaturants abbestellt. Da entstehen interessante Gespräche. :)
      Alles Liebe,
      Mira

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