by Mira – nachhaltig Leben und Genießen

Eine Stadt ohne Autos – Warum wir Mobilität überdenken müssen

Das Auto – Ein extrem emotionales Thema. Kaum jemand möchte drauf verzichten, doch eine Einschränkung des PKW-Verkehrs kann nicht nur gut fürs Klima sein, sondern vor allem die Lebensqualität in Städten fördern. Daher lass uns drüber nachdenken, warum wir bei einem nachhaltigen Lebensstil in der Stadt auch unbedingt den Besitz eines Autos überdenken sollten.

Als Kind habe ich oft zu meinen Eltern gesagt „Warum können wir Autos nicht mit Pferden ersetzen? Das würde nicht so viel Lärm machen und ist besser für die Umwelt.“ An die Antwort meiner Eltern kann ich mich nicht erinnern. Heute weiß ich aber, dass der Pferdeersatz keine so ideale Alternative für die PKWs wäre, alleine schon aus ethischen Gründen. Mein Unmut gegenüber Autos ist aber geblieben und heute frage ich mich: ist die Mobilität wie wir sie heute kennen überhaupt noch zeitgemäß?

Warum wir in Wien locker verzichten können

Als ich mit 21 Jahren aus einem Kaff von Graz-Umgebung nach Wien gezogen bin, war ich hin und weg vom öffentlichen Verkehr. Kein ewig langes Warten, kaum überfüllte Fahrzeuge, die ganze Nacht gibt es Möglichkeiten um heim zu kommen und es ist wirklich jedes Eck in dieser Stadt mit den Öffis erreichbar. Aufgrund dessen habe ich auch nie die Notwendigkeit gesehen einen Führerschein zu machen. In Wien bewege ich mich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den Öffis fort. Für einen Ausflug zurück in die Heimat, für einen Urlaub oder zum Wandern greife ich immer auf den Fernbus oder den Zug zurück. Ab und zu schließe ich mich Mitfahrgelegenheiten von Freunden an, steige selten aber doch ins Flugzeug oder fahre als Beifahrerin mit den Eltern am Land von A nach B. 

Ein Leben am Land ohne Auto ist für viele, mit Berechtigung, fast undenkbar. Außerdem gibt es in kleineren Städten wie Graz noch immer schlechte Anbindungen an die äußeren Bezirke oder Vororte. In einer Stadt wie Wien sollten Ausreden aber die Ausnahme sein, wenn aufs Auto zurück gegriffen wird. Trotz hervorragendem, und wohl bestem Öffi-Netz der Welt, sind dennoch Unmengen an PKWs in Wien unterwegs. Erst letztens habe ich am Ring die vorbeiziehenden Autos beobachtet. In jedem Auto, welches für fünf Personen gedacht ist, saß immer nur eine – eine einzige Person.

Brauchen wir wirklich, wirklich ein Auto?

Jede*r muss für sich selbst entscheiden, ob er/sie nun unbedingt ein Auto in der Stadt braucht oder nicht. Ich denke aber, dass die Mehrheit der Autobesitzer*innen in Wien kein eigenes Gefährt auf vier Rädern benötigt. Denn nicht umsonst steht ein privates Auto durchschnittlich 97% der Zeit herum. Das mag auf den ersten Blick positiv klingen. Aber den Platz den das Auto Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und der Natur wegnimmt ist dadurch einfach nur enorm.

Der Besitz des Autos repräsentiert Gemütlichkeit, es ist schon lange kein Luxus mehr. Weil es praktisch ist einmal einen Ausflug damit ins Grüne zu machen. Weil es unabhängig macht. Weil man damit einmal im Jahr in den Urlaub fahren kann. Weil der IKEA Einkauf damit viel einfacher von statten geht. Weil man damit (schneller) in der Arbeit ist und weil es gemütlicher für die ganze Familie ist.

Hier fühlen sich wohl jetzt einige auf den Schlips getreten und es ist gut möglich dass meine Meinung nicht allen gefällt. Fakt ist, in Wien sind 709 288 PKWs zugelassen, das bedeutet, dass theoretisch jede*r Zweite in Wien ein Auto besitzt. Zwei Drittel der Stadtfläche gehört den Autos, sei es in Form von Straßen oder Parkplätzen.

Was bedeutet ein Auto für die Stadt?

Die Bodenversiegelung, auf die Straßen, Autobahnen oder Parkplätze angewiesen sind, ist mitverantwortlich für die starke Erhitzung der Stadt. Es kann kein Wasser mehr absickern und Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum. Ganz abgesehen davon, dass wir den Platz auch zum Flanieren oder Radfahren nutzen könnten. Dann kommen noch die ausgestoßenen Abgase und das Erdöl, welches regelmäßig in den Schlund des Auto getankt wird, dazu.  Aber auch auf die wertvollen Ressourcen, die für die Herstellung eines PKWs benötigt werden, darf in dem Zusammenhang nicht vergessen werden.

Ich kann natürlich nicht von Wien auf eine andere Stadt schließen. Nicht in jeder Stadt haben wir so ein Privileg, dass es einfach ist auf das Öffi-Netz zu wechseln. Wir können uns mitten in Wien in den Zug setzen und in alle Himmelsrichtungen fahren. Wir sind mitten in Europa und erreichen so ganz einfach Prag, Budapest, Zürich und Zagreb. Aber auch auf die Rax, ins Salzkammergut, an den Neusiedlersee und den Wörthersee kommen wir, ohne ein Auto zu nützen. Somit sind wir auch für die Ausflüge ins Grüne ganz gut mit den Öffis abgedeckt.

Wir müssen jetzt handeln und alle mit anpacken!

Wir befinden uns in einer Krise und alle fahren noch immer fröhlich weiter mit ihren vier Rädern, weil sie glauben, dass es nicht ohne geht. Was wir wirklich brauchen ist frische Luft, Abkühlung in der Stadt, mehr Grünflächen, mehr Raum für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen, eine Pendlerpauschale für all jene die mit den Öffis anreisen und nicht für die, die ins Auto steigen. Natürlich ist hier in erster Linie die Politik gefragt. Aber in einer Krise, die so weit voran geschritten ist, können wir nicht mehr warten bis endlich etwas von oben passiert. Wir müssen selbst mit anpacken. Erreichen können wir das indem wir bewusst aufs Auto verzichten. Vielleicht zu Beginn das Auto stehen lassen und langsam auf Öffis und Rad umsteigen oder vermehrt auf Carsharing setzen. Wir können uns aber auch ein Auto mit Freunden, Nachbarn oder der Großfamilie teilen, damit weniger Autos ungenutzt herum stehen. Für den unumgänglichen Urlaub an den abgelegenen Strand können wir immer noch ein Auto mieten. Wir können aber auch Mitfahrgelegenheiten an Arbeitskolleg*innen oder Nachbar*innen anbieten. Für den Transport von sperrigen Dingen können wir auf eine Umzugsfirma oder einen Botendienst zurück greifen.

Denn ist es tatsächlich noch zeitgemäß, dass jeder eine eigenes Auto zuhause stehen hat? Damit zum Bio-Supermarkt fährt, zum Wandern in die Natur, zum Campen an entlegene Plätze? Ist das nicht irgendwie auch ein Paradox in sich?

Freunden wir uns doch mal mit slow mobility an

Nachhaltige Mobilität heißt eben auch slow mobility. Sich langsamer bewegen, bewusster zu entscheiden wann man sich wohin bewegt. Lieber einmal zu Fuß gehen, auch wenn das mehr Zeit in Anspruch nimmt. Einkäufe besser planen, aber dann auch weniger einkaufen, nur das wichtigste, egal ob Möbel, Lebensmittel oder Elektrogeräte. Wenn wir uns mehr Zeit für unsere Mobilität nehmen können wir schlussendlich auch in diesem Bereich nachhaltiger agieren. Und ich bin davon überzeugt, dass das für alle Umsteiger*innen auch einen Benefit birgt.  

Schmeißen wir einfach mal unsere Emotionen bei dem Thema über Board. Genauso wie beim Fleisch, beim Konsum generell oder bei der Mode, sollten wir also auch die Frage unserer Fortbewegung überdenken, wenn wir unseren Alltag nachhaltig verändern wollen.

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