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Wie ich versucht habe meinen Umzug nachhaltig zu gestallten

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEnde November hieß es für mich und meinen Freund endlich in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Nach dem wir vier Jahre unserer Beziehung einfach an zwei Enden von Wien verteilt lebten, wurde es nun bitter notwendig, sich auf eine Wohnung zu beschränken. So ein Umzug ist ganz schön aufwendig, bringt enorm viel Müll mit sich und verlangt einiges an Neuanschaffungen. Da das nicht nur schlecht für die Geldtasche ist, sondern auch für die Umwelt, war mir natürlich klar. Deshalb habe ich versucht dem etwas entgegen zu wirken. Wie gut das funktioniert hat, lest selbst.

Die Vorbereitung

Je weniger man in die neue Wohnung mitnimmt, desto weniger muss man schleppen und wieder auspacken. Logisch. Auf Grund dessen habe ich schon relativ früh angefangen Kleidung auszumustern nach meinem „Wohin mit der alten Kleidung“-Prinzip. Obwohl da noch immer einfach viel zu viel Kleidung meinen Kleiderschrank okkupierte, versuchte ich diese Tatsache einfach zu ignorieren und konzentrierte mich auf andere Dinge, wie Bücher, Magazine, einen alten Drucker, eine kaputte Gitarre und etliche Deko-Objekte. Einfach Dinge die sich eben so nach fünf Jahren WG-Leben ansammeln und von denen man sich einfach nicht trennen mag – oder dessen Trennung einfach viel zu Aufwendig wäre. Ich kannte nämlich als einzige Option immer nur den Sondermüll und alleine die Anfahrt schreckte mich davor ab meinen alten Drucker unter dem Bett hervor zu holen.  Zum Glück entdeckte ich die „Wien-Verschenkt“-Facebook Gruppe und postete bald freudig meine unbenutzten Objekte hinein.  Siehe da, die Dinger fanden fast alle einen neuen Besitzer trotz kleiner Schönheitsfehler. Den Rest (hauptsächlich Magazine und Deko) habe ich dann auf das eine Fensterbrett im Gang meines alten Wohnhauses gestellt (so ein Fensterbrett hat denke ich jedes Wohnhaus). Man platziert einfach Sachen dort die man loswerden möchte, schreibt ein paar nette Zeile dazu und innerhalb von ein paar Stunden sind die Dinger wie durch Zauberhand verschwunden. Im Müll sind sie zumindest nicht gelandet, da hab ich dann nachgeschaut.

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Verpacken

Nach dem ich die unnötigsten Dinge aus meinem Zimmer entfernt hatte, konnte ich mich ans Kisten-packen machen. Umzugskartons hatte ich mir über Willhaben recht günstig gekauft, mittlerweile weiß ich aber, dass über Facebook auch viele verschenkt werden. Eine super Idee eigentlich, denn sie extra zu kaufen ist nicht nur aufwendig und teuer, sondern auch noch ökologisch schlecht vertretbar (außer man siedelt mehrmals im Jahr). In den Weiten des Internets habe ich dann mal wo gelesen, dass man Keramik und andere zerbrechliche Dinge in Seidenpapier einwickeln soll. Nach dem ich kurz darüber nachdachte, woher ich so eine große Menge an Seidenpapier bekommen könnte, habe ich den Gedanken schnell wieder verworfen. Ich griff auf einen riesen Vorrat an alten Zeitungen zurück, die mein Freund vor ein paar Jahren in einen Sitzsack aus Brasilien gestopft hatte. Alle weiteren zerbrechlichen Gegenstände wickelte ich T-Shirts, Kleider und Pullover ein. Super funktionieren auch Socken für kleine Häferl oder Gläser.

Ausmalen

Eine komplette Wohnung neu auszumalen ist wirklich kein Zuckerschlecken, trotzdem zahlt sich die ganze Prozedur aus. Denn das Weiß aufzufrischen macht die Wohnung heller und funktioniert wie das Aufwischen eines Bodens – es ist einfach hygienisch. Wir konnten uns viele Malerutensilien von Freunden ausborgen und mussten daher nur wenig in Neues investieren. Die Malerfarbe bekamen wir bei einem Malerbedarf, welcher nur zwei Straßenbahnstationen von uns entfernt ist. Man glaubt gar nicht, wie viele kleine Malergeschäfte es in Wien und bestimmt auch in vielen anderen Städten gibt, so etwas sollte man auf jeden Fall unterstützen. Die Mitarbeiter mischen dort selbst die Farbe ab und außerdem bekamen wir auch noch die beste Beratung dazu. Der Verkäufer hat uns wirklich nur so viel Farbe verkauft, wie wir tatsächlich benötigten und uns alle möglichen Tipps zum Ausmalen gegeben. Trotzdem mussten wir drei Mal während des Ausmal-Prozesses wieder zurück, weil wir immer irgendetwas vergessen hatten. Obwohl das Ausmalen echt einige Zeit in Anspruch nahm, waren wir froh ein lokales Farbengeschäft gewählt zu haben. Wenn wir jedes Mal zu OBI gefahren wären, würden wir wahrscheinlich heute noch malen.

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Putzen

Eigentlich hatte ich mir das mit dem Putzen viel romantischer vorgestellt. Ich dachte „Das ist DIE Gelegenheit endlich selbst Putzmittel zu erzeugen“. Der Gedanke schwirrte mir zwar schon länger im Kopf herum, aber dass ich tatsächlich mal mit Natron und Waschsoda herum experimentierte kam irgendwie nie vor. Jetzt weiß ich: der Umzug ist eine schlechte Gelegenheit dazu. Im Prinzip muss alles schnell gehen und man möchte sich auf gewisse Dinge verlassen können, wie zum Beispiel, dass das Klo tatsächlich beim ersten Benützen auch hygienisch rein ist. Ich möchte nicht sagen, dass dies nicht möglich ist mit selbst gemachtem Putzmittel. Aber ich hätte in dieser Phase einfach keine Geduld gehabt mich damit ernsthaft auseinander zu setzen. Also musste eine Alternative her und zwar die, die ich eh schon immer gewählt habe – umweltfreundliche Putzmittel von Bipa, DM und co. Hier gibt es mittlerweile sowieso eine riesige Auswahl. Vor allem die BI Good Produkte bei Bipa sind sogar teilweise wiederbefüllbar. Zum Putzen an sich habe ich Putztücher aus nachwachsende Ressourcen gekauft (gibt es bei DM), diese kann man gut wiederverwenden, wenn man sie bei 60° in der Waschmaschine wäscht. Alte kaputte T-Shirts dienten uns als Putztücher. Natürlich musste auch ein neuer Besen, Schaufel und so weiter besorgt werden. Wir hatten das Glück, dass es mittlerweile bei Interspar eine riesen große Auswahl an Putzutensilien gibt, so dass man sogar welche aus Holz bekommt. Wir konnten uns zwischen Pferdehaar, Naturfaser und Kokosfasern als Borsten entscheiden und wählten das letztere. Schließlich war mein aller größter Vorsatz für die neue Wohnung, dass kein Plastik ihren Weg hinein findet!

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Möbel

Zu  guter Letzt sollen natürlich noch Möbel in die neue Wohnung kommen. Ich hatte aus meiner alten Wohnung eigentlich schon eine gute Menge an Möbel von IKEA und Flohmärkten. Ich persönlich finde ja eine Mischung aus beidem macht so eine Wohnung erst richtig gemütlich. Man braucht nicht immer gleich neue Designermöbel, um eine schicke Wohnung zu haben. Natürlich fehlten uns noch einige Dinge, wie etwa ein Esstisch, ein großer Kleiderkasten, ein Spiegelschrank und noch so einiger anderer Kram. Einen fast neuen Esstisch konnten wir zu einem günstigen Preis über Willhaben ergattern. Da wir kein Auto zur Verfügung hatten, war es besonders wichtig für uns, dass der Tisch nicht allzu weit weg ist und wir ihn entweder mit den Öffis oder zu Fuß transportieren konnten. Bei Willhaben kann man aber ganz praktisch seinen Bezirk auswählen und gleich im Vorhinein in Erfahrung bringen, wo der Tisch zum Abholen ist. Da wir nicht sehr wählerisch waren, haben wir uns einfach den Tisch ausgesucht, der am nächsten zu uns verkauft wird. Tatsächlich fanden wir in der Parallelstraße zu uns ein tolles Angebot und konnten den Tisch einfach zu Fuß abholen und in die neue Wohnung transportieren. Die einzigen neuen Möbel die wir uns schlussendlich kauften waren ein PAX Schrank von IKEA und einen Spiegelschrank von Mömax. Ein Gewürzregal haben wir mit Hilfe meiner Eltern aus einem alten Blumenkistchen und alten Zwergwiesen-Aufstrichgläsern gebastelt. Eine hervorragende Hilfe beim Kochen! Für Dübel und Schrauben fanden wir übrigens auch einen tollen Laden gleich bei uns ums Eck. Lets do it ist ein Werkzeug und Heimwerker Geschäft in dem man die gewünschte Anzahl an Schrauben, Dübel, Nägel und was weiß ich was auch unverpackt mitnehmen kann. Eine tolle Alternative zu herkömmlichen Heimwerker Großkonzernen.

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Wie nachhaltig war dieser Umzug also?

Ich hätte ihn definitiv umweltbewusster gestalten können mit der richtigen Vorbereitung. Wäre ich nicht so bequem gewesen hätte ich mir auch noch andere Möbel second-hand besorgen können und hätte Putzmittel im Vorhinein selbst herstellen können um auf viel Chemikalien und Plastikmüll zu verzichten. Dieses Projekt habe ich mir aber auf jeden Fall für die Zukunft vorgenommen. Schön langsam wenn die alten Putzmittel leer sind werden sie nach und nach mit eigenen Mischungen ersetzt. Eingelesen habe ich mich schon, das Resultat werde ich euch bestimmt dann auch hier präsentieren.

Ganz am Anfang hätte ich beim Ausmisten eigentlich schon um einiges mehr abgeben können. Gerade alte CDs und DVDs wurden eigentlich nur für den Transport in die Hand genommen und seither waren sie nicht mehr in Verwendung. Vieles meiner Kleidung versuche ich momentan Schritt für Schritt bei Kleidertauschpartys gegen ein paar nützlichere Teile auszutauschen oder spende sie gleich. Bei so einem Umzug merkt man erst wie wenig man eigentlich tatsächlich braucht.

Was sind eure Umzugserfahrungen? Ich freu mich über eure Berichte!

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2 Comments

  • Reply Rebecca Februar 7, 2017 at 9:48 am

    Ach so ein Umzug ist immer eine aufregende Sache, aber es scheint als habt ihr diesen sehr ähnlich geregelt wie wir. Unser ist ja auch erst knappe 2 Wochen her und musste innerhalb von einem Monat geplant werden, obwohl wir in eine 250 km entfernte Stadt gezogen sind. Dennoch haben wir auch versucht alles so nachhaltig wie eben möglich umzusetzen, was aber ehrlich gesagt nicht so easy war. Wir haben das ähnlich gestaltet wie ihr. Glasartikel wurden zwischen die Bettbezüge gepackt , vor dem Umzug wurde nochmals ordentlich aussortiert und Möbel kaufen wir sowieso am liebsten vintage bzw. antik.

    Wichtig ist immer, dass man relaxed bleibt und nicht zu viel auf einmal will- alles chilli vanilli. 😉

    Viele Grüße
    Rebecca

    • Reply Mira Februar 7, 2017 at 2:10 pm

      Liebe Rebecca,
      da bist du ja dann eine direkte Leidensgenossin. 😉
      So einen weiten Weg beim Umzug mit einzuplanen ist dann natürlich gleich eine extra Herausforderung. Ich habe schließlich nicht mal den Bezirk gewechselt… Ich denke auch, dass man sich nicht zu sehr stressen sollte. Mit einer guten Vorbereitung geht alles gleich viel einfacher!
      Alles Liebe,
      Mira

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